Aguas Blancas
From Mexiko-Lexikon
Aguas Blancas ist ein kleines Dorf in der Nähe von Acapulco im Bundesstaat Guerrero. Traurige Bekanntheit erlangte das Dorf am 28. Juni 1995 durch das so genannte Massaker von Aguas Blancas.
Massaker von Aguas Blancas
Bei dem Massaker von Aguas Blancas wurden 17 Mitglieder der OCSS, Organización Campesina Sierra del Sur (Organisation der Bauern der Sierra Sur), die aus einem Zusammenschluss mehrerer Kleinbauernorganisationen im Bundesstaat Guerrero besteht, getötet und weitere 23 Mitglieder schwer verletzt. Das Massaker ereignete sich am 28.Juni 1995, als Bauern, die der Organisation der Bauern der Sierra Sur(OCSS) angehören, sich auf dem Weg zu einer Demonstration für bessere Produktionsbedingungen nach Atoyac befanden. Im Tal von Aguas Blancas wurden diese ca. 60 Bauern laut CNDH (Nationale Kommission für Menschenrechte) von Angehörigen verschiedener Polizeikorps angegriffen und etwa 200 Polizisten eröffneten das Feuer auf diese Menschen. Obwohl die beteiligten Polizeikräfte im Anschluss Feuerwaffen unter die Toten legten, um somit den Anschein eines auf sie erfolgten Angriffes zu geben, ergaben Untersuchungen des CNDH (Nationale Kommission für Menschenrechte), dass die Bauern unbewaffnet waren. Die CNDH stellte abschließend fest, dass die Polizeikräfte nicht in Verteidigung eines Angriffes handelten, sondern das es sich um eine erfolgte Hinrichtung gehandelt hat.
Untersuchungen
Am 4.März 1996 ordnete der zu diesem Zeitpunkt amtierende Staatspräsident Ernesto Zedillo die Einleitung von Ermittlungen zur Aufklärung des Massakers von 1995 an. Aufgrund dieser strafrechtlichen Untersuchung, die durch einem Zusammenschluss der OCSS mit anderen Bauernvereinigungen, der lokalen Kirche, der Oppositionspartei PRD (Partido de la Revolución Democrática) und Menschenrechtsgruppen zuvor erzwungen werden konnte, wurden 24 Polizisten und einige in Aguas Blancas anwesende höhere Regierungsbeamte, sowie der zu diesem Zeitpunkt amtierende Gouverneur von Guerrero, Rubén Figueroa Alcocer von der Revolutionären Institutionellen Partei ( PRI ), der Aussageverfälschung sowie der administrativen Verantwortung für dieses Massakers für schuldig erklärt. Rubén Figueroa und seine engsten Mitarbeiter wurden jedoch durch einen für dieses Verfahren zuständigen Spezialanwalt entlastet. Im Februar 1996 wurden Figueroa, sowie alle Regierungsfunktionäre, trotz verschiedener Hinweise auf die direkte Verwicklung in das Massaker, von dem damaligen Sonderstaatsanwalt Varela von einer Verantwortung für das Massaker freigesprochen. Nach erfolgten Protesten auf diese Freisprechung, trat Rubén Figueroa auf Druck der Zentralregierung am 12. März 1996 von seinem Amt als Gouverneur zurück.
Im April 1996 veröffentlichte der Oberste Gerichtshof (Suprema Corte de Justicia de la Nación ,kurz SCJN ) die Ergebnisse seiner Ermittlungen, die unter anderem Beweise für die Verwicklung führender Staatsvertreter in das Massaker beinhalteten. Der ehemalige Gouverneur Rubén Figueroa, sowie weitere ranghohe Beamte wurden jedoch vor Gericht nicht zur Rechenschaft gezogen.

