Azteken (Hochkultur)
From Mexiko-Lexikon
Inhaltsverzeichnis |
Azteken
Azteken ist der Oberbegriff für Nomadengruppen aus den Wüstengebieten des Nordens, die im Jahre 1168 n. Chr. das Hochtal von Mexiko (Anáhuac) erreichten. Da sich die so genannten Azteken jedoch selbst nie so bezeichneten, wird in vielen Chroniken der Begriff „Nahuatlacas-Volksstämme“ benutzt.
Die Volksstämme, die unter dem Oberbegriff Azteken zusammengefasst werden, waren: die Méxica, bzw. nach ihrem Stammesgott „Mexitli“ genannt, die Alcohuas, die Xochimilcas, die Chalca, die Culhua, die Tlahuicas, die Tlaxcaltecas und die Tepanecas.
Azteken ist jedoch nicht nur ein Oberbegriff für verschieden Volksstämme, sondern die heute gebräuchliche Bezeichnung „Azteken“, die auf europäische Wurzeln zurückzuführen ist, umschreibt die Herrschaft eines der Völker, der Méxica (die Einwohner und Gründer von Tenochtitlan), die zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert den südlichen und zentralen Teil Mexikos beherrschten.
Geprägt wurde der Oberbegriff „Azteken“, unter dem die Nahuatlacas-Volksstämme zusammengefasst werden, zum einen von dem deutschen Naturforscher Alexander von Humboldt, der diesen Oberbegriff zu Beginn des 19. Jahrhunderts vorschlug und zum anderen von dem Jesuit Francisco Javier Clavijero (geboren 6. September 1731 in Veracruz /Mexiko). Francisco Javier Clavijero benutze in seiner 1780/81 in italienischer Sprache verfassten Chronik „La Historia Antigua de México“ für die Nahuatlacas-Volksstämme den Begriff „Azteken“, den er ableitete von „Aztlán“, dem mythischen Ursprungsort dieser Volkstämme, der in Chroniken und Bilderhandschriften als Ausgangspunkt ihrer Wanderung beschrieben wird.
„Jemand, der aus Aztlán kommt“ wird in der Náhuatl-Sprache mit „aztecatl“ (Aztek) übersetzt.
Siehe hierzu auch: Aztlán – Chicomoztoc
Im Dezember 2007 haben Archäologen in Tlatelolco (heutiger Stadtteil von Mexiko-Stadt) die Ruinen einer Pyramide entdeckt. Die auf die Zeit zwischen 1100 und 1200 n. Chr. datierte Pyramide ist vermutlich älter als jedes andere Azteken-Bauwerk der Region und deutet darauf hin, dass die Zivilisation der Azteken im zentralen Hochland bereits bis zu 200 Jahre früher als bisher angenommen angesiedelt werden muss.
Méxica
Die "Méxica" (Eigenbezeichung: Mehika, Meshika oder auch Tenochas), für die heute die gebräuchliche Bezeichnung „Azteken“ benutzt wird, war eine der Nahuatlacas-Volksstämme im zentralen Mexiko, die nach ihrer Einwanderung die Schwesternstädte Tenochtitlán und Tlatelolco gründete. Zusammen mit dem „Drei-Städte-Bündnis der Stadtstaaten Tenochtitlán – Texcoco– Tlacopán“ errichteten sie eine Territorialherrschaft, welche sich in einem Gebiet, das keine festen Grenzen aufwies, auf Tributforderungen erstreckte und das zum Zeitpunkt seiner Vernichtung 1521 etwa die Hälfte des heutigen Mexikos kontrollierte.
Herkunft
Der Volksstamm der Méxica wanderte im dreizehnten Jahrhundert vom mexikanischen Norden aus kommend in die Hochebene Zentralmexikos ein. Als mythologischer Ursprungsort gilt Aztlán. U.a. wird der Bundesstaat Nayarit als Ursprungsland vermutet, gesichert ist die Erkenntnis nicht. Die Wanderung des Volkes steht in der Tradition der regelmäßigen Einfälle von Chichimeca-Volksgruppen.
Siehe hierzu auch: Aztlán – Chicomoztoc
Geschichte
Nach einer längeren Phase der Zuarbeit für lokale Herrscher im Tal des Texcoco-Sees gründeten die Méxica auf mehreren Inseln des Sees 1325 ihre Hauptstadt Tenochtitlán. Der Legende nach hatten Hohepriester empfohlen, nach einem Adler mit einer Schlange im Schnabel Ausschau zu halten, der auf einem Nopal-Kaktus sitzen sollte.
- Siehe hierzu: Huitzilopochtli- Die Prophezeiung
Eher historisch wahrscheinlich ist die Auswahl der Inseln als geschützter Zufluchtsort. Zunächst blieben die Méxica dem mächtigen Nachbarn Azcapotzalco tributpflichtig, mit Truppen nahmen sie an dessen Feldzügen teil.
Tenochtitlán entwickelte sich rasch zu einer Großstadt, doch erst unter dem dritten König - Tlaotani Itzcóatl (regierte 1426-1440) - erreichten die Méxica mit der Unterwerfung der Tepaneken und der Zerstörung Azcapotzalcos 1428 die vollständige Unabhängigkeit. Die Méxica brachten von hier aus mit Feldzügen und Bündnissen (1450 Dreistädte-Allianz mit Tlacopan und Texcoco) die gesamte Region rings um ihre Stadt unter ihre Tributkontrolle. Um 1500 mussten die 60 Kilometer entfernt liegenden Städte der Tlaxcalteken (Tlaxcala) die Méxica-Oberherrschaft akzeptieren und an der Küste des heutigen Golfs von Mexiko erkannten die Totonaken die Oberherrschaft der Méxica an. Darüber hinaus vorstoßend erreichte das neue Imperium seine Grenzen erst in den Kämpfen mit den Tarasken im Westen, dem Ufer des Golfs von Mexiko und der unwegsamen Vegetation Südmexikos. Trotzdem umfasste das Reich um 1520 Zentralmexiko und Teile des Südens (Oaxaca, Chiapas).
Die lockere Struktur ihres Imperiums wurde den Méxica zum Verhängnis. Die von ihnen unterworfenen Völker und Städte nutzten die spanische Invasion für ihren eigenen Kampf um Autonomie aus: 1519 führte der Spanier Hernán Cortés eine Forschungs- und Eroberungsexpedition die mexikanische Küste entlang bis zur Höhe des heutigen Veracruz und damit ins Méxica-Reichsgebiet. Bündnisse mit den Totonaken an der Küste und Tlaxcalteken sowie die Eroberung des Méxica-Vasalls, der Stadt Cholula, erlaubten es den Spaniern, in Tenochtitlán selbst als "Gäste" einzuziehen und kurze Zeit darauf den herrschenden König Mochtecozuma II. gefangen zu nehmen.
Zwar wurden die Spanier 1520 zeitweilig aus ihrer Residenz vertrieben, doch des Königs Nachfolger Cuitlahuac (gestorben 1521) und Cuauhtemoc (gestorben 1525) konnten die Hauptstadt trotz Aufbietung aller Kräfte nicht dauerhaft halten. Eine von den Spaniern eingeschleppte Epidemie schwächte die Verteidiger zusätzlich. 1521 gaben die Méxica nach vollständiger Zerstörung ihrer Stadt auf, die Überlebenden wurden auf die Ufer des Texcoco-Sees verteilt. Cuauhtemoc selbst musste Cortés auf einer Expedition nach Südmexiko begleiten und wurde dort 1525 aufgrund einer Verschwörung hingerichtet.
Gesellschaft
Basis der aztekischen (Méxica-) Gesellschaft war das Calpulli auf der Grundlage familiärer Bindungen. Hohepriester und Krieger standen sozial über Bauern und Händlern. Der König führte den Titel "Tlatoani". Jedem Calpulli war eine Gottheit zugeschrieben, als wichtigste Figur galt jedoch neben den in der Hochebene übernommenen Figuren des Regengottes Tlaloc und des Fruchtbarkeitsgottes Quetzalcoatl der Kriegsgott Huitzilopochtli, dem auch Menschenopfer dargebracht wurden.
Kalendersystem
Siehe hierzu: Kalender der Azteken
Schöpfungsmythologie der Azteken
Nach der überlieferten Schöpfungsmythologie der Azteken gab es bereits vier Weltperioden, die als Sonnen bezeichnet wurden, und dem gegenwärtigen Weltzeitalter vorausgegangen sind. Alle vier Welten wurden durch Katastrophen zerstört.
Die „fünfte Sonne“ hieß in der Sprache der Azteken „nahui ollin“(übersetzt: Vier-Bewegung). „Nahui ollin“ ist, laut der Mythologie der Azteken, die Welt, in der die Menschen zur Zeit leben. Herrscher über diese „fünfte Sonne“ ist der Sonnengott Tonatiuh. Die „fünfte Sonne“ soll, den Voraussagen der Azteken nach (siehe hierzu: Sonnenstein) durch Erdbeben zerstört werden.
Siehe hierzu: Schöpfungsmythologie der Azteken: Erschaffung der „fünf Sonnen“ und die Erschaffung der Menschen in der „fünften Sonne“
Weltbild
Laut dem Weltbild der Azteken bestand das Universum aus drei Schichten:
- Topan: Die Obere Welt:
- Sie bestand aus dreizehn Ebenen/Himmeln.
- Die höchste der dreizehn Ebenen des Himmels war Omeyocan. Sitz von Ometéotl, der obersten Schöpfergottheit der Azteken.
- Tlalticpac: Die mittlere Welt:
- Dies war die irdische und von Menschen bewohnte Welt.
- Mictlán (oder auch Mitlán oder Mictlampa genannt): Die Unterwelt.
- Sie war das Reich des Todes und der Aufenthaltsort für „natürlich/gewöhnlich“ Verstorbene.
Für einen ausführlichen Artikel dazu siehe: Weltbild der Azteken
Jenseitsvorstellung
Für die Azteken hatte das Leben auf der Erde geringere Bedeutung, als das Leben nach dem Tod des Körpers. Laut den Vorstellungen der Azteken gab es verschiedene Aufenthaltsorte für Verstorbene, die jeweils bestimmten Bevölkerungsgruppen und der stattgefundenen Art des Todes zugedacht waren.
Jenseitsorte waren:
- Tonatiuh Ichan, aus dem Náhuatl übersetzt bedeutet: „Haus der Sonne“.In dieses Paradies aufgenommen zu werden war das höchste Ziel der Azteken.
- Tlalocan: Das Reich des Regen-, Donner- und Wassergottes Tlaloc. In dieses Reich konnten nur durch Tlaloc getötete, wie zum Beispiel Ertrunkene, vom Blitz erschlagene, Menschen mit Hautkrankheiten oder Menschen, deren Tod mit Wasser in Verbindung stand, gelangen.
- Mictlan. Die Unterwelt "Mictlan" war für Menschen gedacht, die eines natürlichen Todes oder einen durch Sünde verursachten Tod gestorben waren.
Menschenopfer
Menschenopfer galten nach dem Mythos der Azteken als Nahrung für die Götter und waren notwendig, um den Fortbestand der Welt zu sichern. Aus diesem Grunde wurden, Schätzungen zufolge, jährlich zwischen einigen Tausend bis hin zu 50.000 Menschenopfer durchgeführt. Allein für die Einweihung der 30 Meter hohen Hauptpyramide ( "teocalli" ) in Tenochtitlán , sollen in nur vier Tagen zwischen 20.000 bis 80.000 Menschen geopfert worden sein.
Ausführlicher Artikel dazu unter: Menschenopfer
Götterwelt
Siehe hierzu:
- Götter der Azteken: Nähere Beschreibung der Götterwelt (Klassifizierung/ Mensch und Götter/ Dualismus)
- Götter der Azteken (Tabelle): Tabellarisch aufgeführte Götter mit Kurzbeschreibung.
Links
Mexiko-Community
Literatur
Primärliteratur, die Autoren haben die Conquista teilweise aktiv begleitet:
- Bernal Diaz del Castillo - Die Eroberung von Mexiko / Historia verdadera de la Conquista de la Nueva España. Erstmalig 1568 erschienen
- Bartolome de las Casa - Historia de las Indias.
- Hernán Cortés - Cartas de relación de la conquista de México.
- Bernardino Sahagún - Historia de las cosas de Nueva España
Sekundärliteratur
Über die Azteken gibt es eine Vielzahl an populärwissenschaftlichen oder wissenschaftlichen Monographien, eine Auswahl:
- Hanns J. Prem, Die Azteken, 2003.
- Eduardo Matos Moctezuma, Felipe Solis Olguin (Dumont Literaturverlag), Azteken, 2005.

