Carlos Ahumada
From Mexiko-Lexikon
Mexikanischer Unternehmer und Urheber der "Videoescándalos" (geb. 11.06.1964 Córdoba, Argentinien).
Videoescándalos
Carlos Ahumada Kurtz, mexikanischer Unternehmer argentinischer Herkunft, wird vorgeworfen, sein Bauimperium durch Bestechungsgelder errichtet zu haben. Insbesondere Politiker der Oppositionspartei PRD - bis hin zur Generalsekretärin Rosario Robles -, die in Mexiko-Stadt die Stadtregierung stellt, hatten Gelder angenommen. Als die Staatsanwaltschaft auf Ahumada aufmerksam wurde, bat dieser seiner eigenen Version nach politische Freunde um Rückendeckung - was ihm verweigert worden sei. Ahumada ließ daraufhin Anfang 2004 mehrere heimlich aufgenommene Videos, die ihn bei der Übergabe von Bestechungsgeldern an führende PRD-Politiker zeigten, den Medien zukommen lassen. Die Serie wurde am 1.März 2004 mit der Ausstrahlung eines Videos auf Televisa eingeleitet, bei dem der Finanzminister (Secretario de Finanzas) von Mexiko-Stadt, Gustavo Ponce Meléndez, beim Gewinnspiel in einem Casino in Las Vegas, USA, gefilmt worden war. Einen Tag später folgte das eigentliche Skandalvideo: PRD-Stadtfraktionschef René Bejarano nahm von einem Unbekannten (der bald darauf als Ahumada identifiziert wurde) erhebliche Geldsummen entgegen. Das Video wurde medienwirksam in der "Brozo"-Morgenshow präsentiert.
Wenig später folgte ein drittes Video, welches den Verwaltungschef der Delegación Tlalpan, Carlos Ímaz, bei der Annahme der Gelder vorführte. Ímaz ist mit Claudia Sheimbaum verheiratet, der Umweltministerin der DF-Stadtregierung. Weitere Politiker wurden in der Folgezeit "demaskiert".
Die Videoescándalos und die darin verwickelten Personen waren Gegenstand mehrjähriger juristischer Aufarbeitung. Einige der in den Skandal involvierten Personen saßen seitdem in Untersuchungshaft, auch Ahumada selbst. Er verlor durch den Skandal seine Beteiligung an der Zeitung El Independiente sowie an diversen Fußballklubs der mexikanischen Liga. Ahumada hat allerdings seitdem mehrere Gerichtsverfahren wegen möglicher Bestechung für sich entschieden. Im Mai 2007 erwartetn ihn zwei noch ausstehende Prozesse. Ahumada wurde im gleichen Monat aus der Haft entlassen.
Folgen der Videoesándalos
Die "Videoescándalos" erschütterten in tiefstem Maße die ohnehin von weiten Teilen der Bevölkerung angezweifelte Integrität der politischen Klasse, insbesondere die Glaubwürdigkeit der bis dato eher unbescholtenen PRD. Zumal zeitgleich ein verworrener Bestechungsskandal um den Vorsitzenden der mexikanischen Grünen (PVEM) publik wurde (bei dem ebenfalls versteckte Videoaufnahmen zum Einsatz kamen) und einflussreiche Vertreter der Regierungspartei PAN anscheinend vorab von Ahumadas Aktionen informiert worden waren.
Ahumada selbst provozierte durch seine Flucht nach Kuba den zeitweiligen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern, als der Inselstaat die Auslieferung des Unternehmers nach dreiwöchiger "Hospitanz" mit politischen Kommentaren vermerkte - wonach Ahumada auf Drängen der mexikanischen Regierung die Videos veröffentlicht haben soll, um die PRD und insbesondere ihren bekanntesten Vertreter, Manuel Andrés López Obrador zu schädigen.
Am 17.August 2006 veröffentlichte ein Nachrichtensender ein zwei Jahre altes Ermittlungsvideo, das nach der Auslieferung von Ahumada aufgenommen worden war ([1]). Es löste eine neue Diskussion um die Hintergründe der Videoescándalos aus. Darin behauptet Ahumada, die PAN-Politiker Diego Fernández de Cevallos (damals Fraktionschef) und Santiago Creel Miranda (damals Innenminister) vorab über die Korruptionsaufnahmen informiert zu haben und bot an, sie zur Diskreditierung des damaligen Präsidentschaftskandidaten Andrés Manuel López Obrador zu benutzen - als Schutz vor Justizermittlungen gegen seine Person. Die Politiker wären darauf eingegangen, hätten aber nicht an alle ihm zugesagten Versprechen eingehalten. Beide Politiker verneinten die Absprachen. Die Erklärung fiel mitten in die Aufarbeitung der Präsidentschaftswahlen 2006, bei denen Obrador knapp unterlegen war.

