Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald
From Mexiko-Lexikon
Die bisherigen sechs „Erklärungen aus dem Lacandonischen Urwald“ (spanisch: Declaraciónes de la Selva Lacandona) wurden verfasst von dem CCRI-CG der EZLN (Comité Clandestino Revolucionario Indígena y Comandancia General del EZLN.Übersetzt: Geheime Revolutionäre Indigene Komitee–Generalkommandantur der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung) und sind gerichtet „An das Volk von Mexiko" (Al pueblo de México).
Nachdem die 1. Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald (verfasst im Januar 1994), die mit einer Kriegserklärung der EZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional) an die mexikanische Regierung zusammenfiel, auf ein weltweites Echo und Sympathie gestoßen war, richtete die EZLN-Generalkommandantur CCRI-CG alle weiteren „Erklärungen aus dem Lacandonischen Urwald“ nicht mehr nur „An das Volk von Mexiko“ sondern auch „An die Völker und Regierungen der Welt." (spanisch: "A los pueblos y gobiernos del mundo")
Die bisherigen sechs „Erklärungen aus dem Lacandonischen Urwald“ bestanden, außer der „Ersten Erklärung“, aus Aufrufen zur friedlichen Mobilisierung der Zivilgesellschaft , um eine tiefgreifende Reform des mexikanischen Staates herbeizuführen.
Erste Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald
Die „Erste Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald“ (spanisch: „Primera Declaración de la Selva Lacandona“) erfolgte am 2.Januar 1994
Nachdem die EZLN am 1.1.1994 mit einer bewaffneten Guerillaoffensive die Bezirkshauptorte San Cristóbal de las Casas, Ocosingo, Altamirano, Las Margaritas, Oxchuc, Huixtán, Abasolo, Chanal und Larráinzar besetzte, wurde am 2.1.1994 die „Erste Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald“ von Subcommandante Insurgente Marcos ( gewählter Sprecher der EZLN), in der Kathedrale von San Cristóbal de las Casas im Bundesstaat Chiapas verlesen.
Diese „Erste Erklärung“, gerichtet „An das Volk von Mexiko“, begann mit den Worten "HOY DECIMOS ¡BASTA"!(übersetzt: "Heute sagen wir: es reicht!"). In dieser „Ersten Erklärung“ wurde das mexikanische Volk aufgerufen, sich dem Aufstand gegen die sogenannten Unterdrücker anzuschließen. Mit dem Verweis auf den Artikel 39 der mexikanischen Verfassung, der sich auf die Volkssouveränität bezieht, legitimierte die EZLN ihren Aufstand und formulierte ihre elf Grundforderungen: Arbeit, Land, Wohnung, Ernährung, Gesundheit, Ausbildung, Unabhängigkeit, Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden und erschütterte damit die von der "Partei der Institutionellen Revolution" ( PRI ) geführte Zentralregierung in Mexiko-Stadt .
Zweite Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald
Zweite Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald (spanisch: Segunda Declaración de la Selva Lacandona).
Nachdem sich die mexikanische Regierung nicht verhandlungsbereit zeigte, führte die EZLN eine Befragung ihrer Mitglieder sowie der zapatistischen Dörfer durch. Das Ergebnis der Befragung bestand darin, dass mit deutlicher Mehrheit, die bis zu diesem Zeitpunkt stattgefundenen Verhandlungsergebnisse zwischen der EZLN und der mexikanischen Regierung, abgelehnt wurden. Ein weiteres Ergebnis dieser Befragung war, dass ebenfalls mit deutlicher Mehrheit die Fortführung des bewaffneten Kampfes abgelehnt wurde. Daraufhin wandte sich die EZLN-Generalkommandantur (CCRI-CG ) mit ihrer „Zweiten Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald“ an die Zivilgesellschaft.
Die „Zweite Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald“ erfolgte am 10.Juni 1994. Mit dieser „Zweiten Erklärung“ wurde die an Reformen interessierte Zivilgesellschaft aufgerufen, sich in einen ,,Demokratischen Nationalkonvent" („Convención Nacional Democrática“ = CND), der aus Vertretern aller politischen Organisationen und Gesellschaftsgruppen Mexikos bestehen sollte, zu organisieren und den begonnenen bewaffnete Kampf der EZLN friedlich und ohne Waffen fortzuführen. Nach einem erzwungenen Rücktritt der von der "Partei der Institutionellen Revolution" ( PRI ) geführten Zentralregierung sollte im Anschluss eine Übergangsregierung, die sich aus Parteiunabhängigen aus der CND zusammensetzen würde, die Demokratisierung Mexikos einleiten.
Dritte Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald
Dritte Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald (spanisch: Tercera Declaración de la Selva Lacandona )
Bei der Präsidentschaftswahl vom August 1994 gewann, entgegen aller Hoffung der EZLN, erneut die PRI. Militärische Großoffensiven des mexikanischen Militärs gegen die EZLN im Bundesstaat Chiapas führten dazu, dass die EZLN aus Protest alle Gespräche mit der mexikanischen Regierung abbrach. Nachdem die EZLN erkennen musste, dass ein Übergang zur Demokratie durch Wahlen nicht möglich war, und ihre Bemühungen durch militärische Repressionen des mexikanischen Militärs erstickt wurden, erfolgte im Januar 1995 die „Dritte Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald“. In dieser „Dritten Erklärung“ rief die EZLN-Generalkommandantur (CCRI-CG) zur Gründung einer „Nationalen Befreiungsbewegung“ („Movimiento de Liberación Nacional“ = MLN) auf.
Vierte Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald
Vierte Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald (spanisch: Cuarta Declaración de la Selva Lacandona) .
Die „Vierte Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald“ erfolgte, im Anschluss an eine Befragung der EZLN Mitglieder und der zapatistischen Dörfer, am 10. Januar 1996.
In dieser „Vierten Erklärung“ rief die EZLN zur Gründung der FZLN (Frente Zapatista de Liberación Nacional = Zapatistischen Front der Nationalen Befreiung) auf. Die FZLN, ein politischer Arm der EZLN, sollte als eine umfassende politische Bewegung, zivilen, friedlichen, unabhängigen und demokratischen Charakters, die weder als Partei organisiert noch die Übernahme der Macht anstreben sollte, gegründet werden. Die FZLN sollte nicht um die Macht kämpfen, sondern sich für den Aufbau eines wahrhaft demokratischen Gemeinwesens einsetzen. Die Gründung der FZLN bedeutete auch das Ende der Hoffnungen, im politischen Kampf auf Teile der PRD -Führung setzen zu können.
Fünfte Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald
Fünfte Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald (spanisch: Quinta Declaración de la Selva Lacandona)
Die Nichteinhaltung, der am 16. Februar 1996 zwischen der mexikanischen Regierung und der EZLN geschlossenen Abkommen von San Andrés , führten dazu, dass die EZLN Ende November 1996 den Dialog mit der mexikanischen Regierung abbrach. Am 8. September 1997 startete die EZLN „den Marsch der 1.111“ von San Cristóbal de las Casas nach Mexiko-Stadt. Durch ihre Teilnahme an den Tagungen des Nationalen Indígena -Kongresses ( CNI) und die der FZLN, verdeutlichte die EZLN ihren Anspruch auf nationaler Ebene präsent zu sein. Die Reaktion der damaligen Regierung bestand in einer Fortführung des „Krieges niedriger Intensität“ gegen zapatistische Gemeinden. Dieser „ Krieg niedriger Intensität “gipfelt am 22. Dezember 1997 in dem Massaker von Acteal. Nach einem Wechselspiel von monatelangem Schweigen und Aktionen der Mobilisierung antwortete die EZLN-Generalkommandantur (CCRI-CG) am 19. Juli 1998 mit der „Fünften Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald“.
In der „Fünften Erklärung“ rief die EZLN-Generalkommandantur (CCRI-CG) zu einer nationalen Befragung (Consulta Nacional) über die Rechte der indigenen Völker und die Beendigung des „Ausrottungskrieges“ auf. Die „ Zivielgesellschaft “ wurde von der EZLN als ihr einziger Gesprächspartner erklärt.
Sechste Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald
Sechste Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald (spanisch: Sexta Declaración de la Selva Lacandona)
Am 19.Juni 2005 rief die EZLN den sogenannten „Roten Alarm“ (spanisch: „Alerta Roja“ ) aus und befand sich in militärischer Alarmbereitschaft. Als Folge des „Roten Alarms“ schloss die EZLN die Caracole. Evakuierte die „ Juntas de Buen Gobiernos „ (übersetzt: „Gute Regierung“) und bat die Zivilgesellschaft, sich aus den zapatistischen Gebieten zurückzuziehen. Den „Roten Alarm“ begründete die EZLN später als Sicherheitsmassnahme. In dieser Zeit erfolgte durch die EZLN-Generalkommandantur (CCRI-CG) eine interne Befragung der aufständischen zapatistischen Truppen, der EZLN-Kommandanten und Kommandantinnen, der regionalen und lokalen Verantwortlichen und der Unterstützungsbasen. In dieser Befragung wurde auch über den Text der „Sechsten Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald“ abgestimmt.
Am 29.06.2005 trat die EZLN -Generalkommandantur ( CCRI-CG ) mit der „Sechsten Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald“, kurz „Sexta“ genannt, an die Öffentlichkeit.
Die „Sexta“ bestand aus insgesamt sechs Teilen.
Teil I bis IV enthielt die „Ist-Situation“:
- I. Von dem was wir sind (De lo que somos)
- II: Wo wir jetzt sind (De donde estamos ahora)
- III. Wie wir die Welt sehen (De cómo vemos el mundo)
- IV. Wie wir unser Land Mexiko sehen (De cómo vemos a nuestro país que es México)
Teil V und VI handeln von den geplanten Veränderungen.
- V. Was wir tun wollen (De lo que queremos hacer)
- VI. Wie wir das tun wollen (De como lo vamos a hacer)
In der „Sexta“ wurde der Widerstand gegen den Neoliberalismus aufgeführt und vorgeschlagen, eine nationale Kampagne „für ein Programm der Linken und für eine neue Verfassung“ einzuleiten. Nach sieben Vorbereitungstreffen mit einer gemeinsamen Abschlusserklärung sollte der Start der „Anderen Kampagne“ (spanisch:„La Otra Campaña“), wie die Initiative in ausdrücklicher Abgrenzung zum stattfindenden Präsidentschaftswahlkampf von den Zapatisten genannt wird, realisiert werden.
In der „Sexta“ wurde auch mitgeteilt, dass sich der Aufgabenbereich der EZLN nunmehr in drei Teile gliedert.
- Die Verteidigung der zapatistischen Dörfer und ihre Autonomie ist Aufgabe des Oberkommandos des CCRI (Geheime Revolutionäre Indigene Komitee) und erfolgt durch den größten Teil der Zapatisten.
- Die „Intergalaktische Kommission“, die für die internationalen Aspekte der Kampagne verantwortlich ist, wird durch einen zweiten Teil der CCRI gebildet.
- Die „Sechste Kommission der EZLN“ ( Sexta Kommision), wird durch eine dritte Gruppe der CCRI gebildet und ist zuständig für nationale Aspekte. Die „Sechste Kommission der EZLN“ wird seit dem 13. Juli 2005 von Subcommandante Marcos geleitet.
Die „Sechste Kommission“, die für die „ Andere Kampagne “ ( La otra campaña) eintritt, sollte mit den Unterstützern dieser Kampagne einen Plan für die Reise einer EZLN-Delegation durch ganz Mexiko erarbeiten. Getreu den Worten in der „Sechsten Erklärung aus dem Lacandonischen Urwald“, die lauten: “…..,dass die Probleme unseres Landes nicht von oben her gelöst werden können, sondern dass VON UNTEN FÜR UNTEN eine Alternative zur neoliberalen Zerstörung, eine Alternative der Linken für Mexiko geschaffen werden muss.“....soll die Delegation Menschen in ihren unterschiedlichen Situationen Gehör schenken und zusammen mit ihnen eine neue Verfassung erarbeiten.
In der „Sechsten Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald“ wurde deutlich klar gemacht, dass die EZLN keine militärische Offensive plane sondern eine pazifistische Strategie auf nationaler Ebene verfolgt.
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