Götter der Maya
From Mexiko-Lexikon
Siehe auch:
- Götter der Maya (Tabelle): Tabellarisch aufgeführte Götter mit Kurzbeschreibung.
- Götter der Azteken: Nähere Beschreibung der Götterwelt (Klassifizierung/ Mensch und Götter/ Dualismus)
- Götter der Azteken (Tabelle): Tabellarisch aufgeführte Götter mit Kurzbeschreibung.
Inhaltsverzeichnis |
Klassifizierung
Das Pantheon (Gesamtheit der Götter einer Religion) der Maya war sehr komplex und die Stellung und das Wirken der einzelnen Götter stand im Zusammenhang mit dem räumlich- und zeitlichen Gefüge. Eine eindeutige Klassifizierung der Göttergestalten samt Wirkungsbereich stellt sich jedoch durch ihr vielfältige Erscheinungsbild sowie der sich ändernden räumlichen- wie auch zeitlichen Ordnungssysteme als sehr problematisch dar.
Charakteristische Eigenarten
Vielfältiges Erscheinungsbild der Götter
Ein und dieselbe Gottheit konnte unterschiedliche Rollen annehmen. Zum Beispiel gleichermaßen „Gut und Böse“ oder „männlich und weiblich“ oder „jung und alt“.
Beispiel „Kinich Kakmó“ oder auch „Kinich Ahau“ ("Herr der Sonnenaugen") geschrieben: Er war der Sonnengott, Gottheit des Lichtes, des Lebens und der Güte. Dieser Sonnengott wurde sowohl als alter wie auch als junger Mann dargestellt. Eine weitere Erscheinungsform war: Hirsch, Ara, Kolibri oder Adler. In wiederum einer anderen Erscheinungsform trat er jedoch in Jaguargestalt als Todesgott auf.
- Erklärung: Bei seiner täglichen Wanderung über den Himmel stieg „Kinich Kakmó“ am Morgen als junger Gott im Osten auf. Am Abend stieg er als alter Gott im Westen hinab und bei seiner Wanderung in der Nacht durch die Unterwelt (damit er am Morgen wieder im Osten aufsteigen konnte) wurde er zum Todesgott.
Vielfältige Funktionen
Diese unterschiedlichen Funktionen von ein und derselben Gottheit standen im Zusammenhang mit dem Kalender der Maya und der jeweiligen Stellung der Gottheit innerhalb des Kalenders an einem bestimmten Tag. Im zeitlichen Ablauf des Kalenders konnte ein und dieselbe Gottheit unterschiedliche Funktionen erfüllen.
Beispiel der Sonnengott „Kinich Kakmó“: Als junger Gott war er der Gott des 20.Tageszeichen und als alter Gott stand er als Hieroglyphe für den Tag. Ebenfalls war er eine Verkörperung der Zahl Vier und Schutzpatron des siebten Monats.
Kennzeichnungen
Typische Kennzeichnungen einer bestimmten Mayagottheit konnten ebenfalls bei anderen Gottheiten auftreten. Aus diesem Grunde ist nicht immer klar die eindeutige Funktion einer Gottheit zu erkennen. Zum Beispiel kann es bei der Darstellung einer Gottheit sein, dass sie einen Todesgott repräsentiert der als Sonnengott auftritt oder umgekehrt, die Gottheit repräsentiert einen Sonnengott der als Todesgott auftritt. Erschwerend kommt hinzu, dass weder das Eine noch das Andere zutreffen kann und in der Darstellung vielleicht nur der „Tod“ der Sonne angedeutet werden sollte.
Einzelne Gottheit/ Vierfacher Gott
Eine Gottheit konnte als „einzelne Gottheit“ wie aber auch in „vierfacher Form“ in Erscheinung treten.
Beispiel die Gottheit Chaac:
- Chaac war als Einzelner Gott (oder „Ein Gott“) der Gott des Regens, der Fruchtbarkeit und Landwirtschaft)
- Chaac war aber auch gleichzeitig ein „Vierfacher Gott“ der für die vier Weltenrichtungen zuständig war.
- „Chac Xib Chaac“ Roter Chaac des Ostens
- „Kan Xib Chaac“ Gelber Chaac des Südens
- „Ek Xib Chaac“ Schwarzer Chaac des Westens
- „Sac Xib Chaac“ Weißer Chaac des Nordens
Erscheinungsbild, Wesen und Mensch
Die Gottheiten der Maya wurden hauptsächlich dargestellt in einer Verbindung (Mischung) aus pflanzlich-tierisch -und menschlicher Züge. Die Darstellung einer Gottheit, die rein nur menschliche Züge und Gestalt aufweist, ist dagegen so gut wie gar nicht aufzufinden. Mit der Darstellung „pflanzlich-tierisch- menschlicher Züge“ wird die Symbiose Gottheit –Mensch-Natur verdeutlicht. Die Götter der Maya hatten keine allmächtige Stellung sondern waren Teil des Ordnungsgefüges der Welt, in der sie in ständiger Bewegung waren und in Beziehungen zueinander standen. So waren die Götter zugleich Handelnde wie aber auch Betroffene. Im Glauben der Maya waren die Menschen den Göttern nicht völlig ausgeliefert sondern sie konnten, was wiederum eine genaue Kenntnis der kosmischen Ordnung, die sich in ihrem Kalender und der jeweiligen Position der Götter widerspiegelte, die Zeit und die in ihr wirksamen Kräfte im Gleichgewicht halten. Im Gegensatz zu den Azteken, welche versuchten eine Ordnung im kosmischen Gefüge herbeizuführen, sorgten die Maya für eine Stabilisierung.
Klassikum und Postklassikum
Im Laufe der Zeit änderte sich die Identität der Götter und einige Motive aus dem Klassikum (250 n. Chr. - 900 n. Chr.) sind im Postklassikum (900 - 1492 n. Chr.) nicht mehr vorhanden und wiederum andere Motive stellen durch ihr Ähnlichkeit eine Verbindung zwischen beider Epochen dar. Beim Stand der momentanen Forschung ergibt sich, dass zwei herausragende Gottheiten in beiden Epochen gleich stark, sowohl in ihrer Bedeutung wie auch Funktion, vertreten waren.
- Der Maisgott, Name im Klassikum vermutlich „Kauil“ („Reichliche Nahrung“) oder auch genannt „Ah Uaxa Yol Kauil“ („Er, das achtfache Herz der reichlichen Nahrung“) und Name im Postklassikum „Yum Xac“ (auch Yum Kaax geschrieben).
- Der Regengott „Chaac“ (auch Chac geschrieben).
Literatur
- Cordan, Wolfgang: „Popol Vuh - Das Buch des Rates“. Verlag: Diederichs Eugen
- Diego de Landa: „Bericht aus Yucatan“. Verlag: Reclam,(1990)
- Jens Freyler, Gabriela Kiehl, Noah E Pohorilles: „Popol Vuh. Die heilige Schrift der Maya“
- Verlag: Traveldiary.De Reiselit.(2004)
- ISBN -10-393727412X / ISBN -13-978-3937274126
- Nikolai Grube: „Maya. Gottkönige im Regenwald“ Verlag: Ullmann/Tandem (2006)
- Hancock, Graham: „Die Spur der Götter“. Verlag: Lübbe(2003)
- Günter Lanczkowski: „Die Religionen der Azteken, Maya und Inka“.Verlag: Wissenschaftliche Buchgesellschaft (1989)
- Norbert Muigg: „Sprache des Herzens. Begegnungen mit den Weisen der Maya“ Verlag: Ibera(1999)
- Prem, Hanns J.; Foerster, Thomas: „Das alte Mexiko“ : Geschichte u. Kultur d. Völker Mesoamerikas.Bertelsmann.
- Hanns J. Prem, Ursula Dyckerhoff: „Alte Kulturen. Das alte Mexiko“ Verlag: Orbis (1998)
- Berthold Riese: “Die Maya. Geschichte, Kultur, Religion“. Verlag: C.H.Beck; Auflage:(2004)
- Andrea C Schalley: „Das mathematische Weltbild der Maya“.Verlag:Lang,Peter Frankfurt(2000)
- Magda Wimmer: „Die Maya. Weber der Zeit, Spieler des Universums“. Verlag: Goldmann (2000)

