Kaffee

From Mexiko-Lexikon

Jump to: navigation, search
 Schlüsselanhänger  aus dem Holz des Kaffeestrauches
vergrößern
Schlüsselanhänger aus dem Holz des Kaffeestrauches

Kaffee ist nach Erdöl der weltweit wichtigste Exportrohstoff. Mexiko ist das siebtgrößte Kaffee-Erzeugerland der Welt (Quelle: ICO, 2004). 80 Prozent des mexikanischen Kaffees geht nach Europa.

Inhaltsverzeichnis

Ernteerträge

Im Weltdurchschnitt liegt der Ertrag je Hektar bei rund 550 Kilogramm Kaffee. 1.Costa Rica. ca. 1.600 Kilogramm. 2. Kolumbien ca. 950 Kilogramm. 3. Brasilien ca. 650 Kilogramm. 4. Mexiko ca. 500 Kilogramm. 5. Elfenbeinküste und Haiti ca. 200 Kilogramm.6. Angola ca. 100 Kilogramm.

Kaffeesorten

Die beiden wichtigsten Kaffeearten sind Arabicá-Kaffee (Coffea arabica) und Robusta-Kaffee (Coffea canephora). Der Schwerpunkt liegt dabei jedoch immer mehr auf dem Anbau von Arabicá-Kaffee als von weniger wertvollem Robusta-Kaffee.

Anbaugebiete

Die klassischen Anbaugebiete für Kaffee befinden sich in den Bundesstaaten Chiapas, Oaxaca und Veracruz. Insgesamt wird in 13 Bundesstaaten Kaffee angebaut.

Geschichte

Der Kaffee wurde Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in Mexiko eingeführt. Nach Angaben des "Consejo Mexicano del Cafe" (1993 gegründete Branchenvertretung) war dies 1796 in der Region von Cordoba, 1823 in Uruapan im Bundesstaat Michoacan und 1847 in Tuxcla Chico in Chiapas. Andere Quellen sprechen vom Jahr 1850 im Bundesstaat Chiapas.

Geschichte des Kaffeeanbaus in Chiapas

Nachdem im Zuge der Kolonialisierung zuerst die Encomiendas (womit die spanischen Eroberer die Kontrolle über die indigene Bevölkerung ausübten - siehe hierzu auch: Bartolomé de las Casas) eingeführt wurde, erfolgte damit nach dem mexikanischen Unabhängigkeitskrieg eine weitere Enteignung der indigenen Bevölkerung.

Mit Einfuhr des Kaffeeanbaus wurde gleichzeitig zahlreiches indigenes Gemeindeland enteignet und ausländischen Investoren für Kaffeplantagen zur Verfügung gestellt. Viele deutsche Investoren eigneten sich zum Beispiel fruchtbare Ländereien in der Region Soconusco an. Die indigene Bevölkerung, um ihre Selbstversorgung betraubt, sah sich nun gezwungen, als schlechtbezahlte Arbeitskräfte auf den Kaffeeplantagen zu arbeiten. Die zunehmende Verarmung der Landbevölkerung sowie die ungerechte Landverteilung – 95 Prozent der Bevölkerung war verarmt und landlos, wohingegen ein Prozent der Bevölkerung 90 Prozent des bebaubaren Landes ihr Eigen nannten – war mit einer der wichtigsten Auslöser für die mexikanische Revolution.

Eine Landreform, wie sie die Revolutions-Bauernarmee von Emiliano Zapata regional durchsetzen konnte, griff allerdings nicht auf die Kaffeeplantagenbesitzer über. Dies wurde durch politische Kaziken, Großgrundbesitzer in Chiapas und der Armee verhindert. Durch dieses Abkommen wollte man eine Sezession Chiapas von Mexiko verhindern.

Unter Präsident Lázaro Cárdenas del Río fand eine Förderung des Kaffeeanbaus in den indigenen Gemeinden statt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde ein Teil der Kaffeeplantagen, die sich in deutschen Besitz befanden, enteignet und an Agrargenossenschaften übergeben.

In den 70er Jahre wurde innerhalb weniger Jahre der Großteil der indigenen Bevölkerung in Chiapas, die bis dato auf den großen Kaffeeplantagen gearbeitet hatten, arbeitslos. Durch die Intensivierung der Fleisch- und Milchwirtschaft und der Technisierung des Kaffeeanbaus gab es für sie keine Arbeit mehr. Große Teile der indigenen Bevölkerung schlossen sich zu unabhängigen Bauernbewegungen zusammen und besetzten die Kaffeeplantagen der Region. Dieser Landkampf wurde in den 80er Jahre durch neue Besitzverhältnisse legalisiert und die Kleinbauern begannen nun selber den Arabicá-Kaffee anzubauen.

Der Verfall der Weltmarktpreise für Kaffee in den 80er Jahren und die im Jahre 1989 durchgeführte Auflösung des "Inmecafé" (nationale mexikanische Kaffeeinstituts - womit der Staat die Förderung, den Ankauf und die Vermarktung des Kaffees geregelt hatte), führte zu einer schweren Krise bei den kleinbäuerlichen Kaffeeanbauern. Sie gerieten dadurch völlig in die Abhängigkeit der großen Kaffeehändler und Konzerne.

Kaffeebauern

Im Süden Mexikos, einem der wichtigsten Anbaugebiete, wird der Kaffee vorwiegend (ca. 80 Prozent) durch indigene Kleinbauern, die zur ärmsten Schicht des Landes gehören, angebaut.

Als sich Ende der 90er Jahre der Weltmarktpreis für Kaffee in einem Langzeittief befand, boten die "Coyotes" (Zwischenhändler für Großeinkäufer) für die rohen Kaffeebohnen bis zu 70 Prozent weniger als in den Vorjahren. Teilweise wurden für den Rohkaffee nur noch 10 Cent pro Kilogramm angeboten. Damit waren die Produktionskosten viel höher als der Erlös und viele Kaffeebauern mussten den Kaffeeanbau aufgeben. Sie versuchten, in den großen Städten Arbeit zu finden. Im Jahre 2001 haben wöchentlich ca. 500 Familien die Kaffeeanbaugebiete verlassen, um im Norden Mexikos auf den Ölfeldern von Tabasco oder in den Textilfabriken rund um Tijuana Arbeit zu finden.

Kaffee-Kooperativen

Um nicht weiter den "Coyotes" und den Schwankungen der Marktpreise ausgeliefert zu sein, die fast immer Armut und damit verbundene Almosen in Form von staatlichen Zuschüssen und Sozialprogrammen mit sich führten, die wiederum als Gegenleistung Unterstützung einer bestimmten Partei oder Politiker von den Kaffeebauern zu Bedingung hatte, schlossen sich mehrere der noch Kaffee anbauende Bauern zu Kaffeekooperationen zusammen. Ein Beispiel für einen Zusammenschluss ist die Kaffee-Kooperative "Mut Vitz" (aus der Maya -Sprache Tzotzil übersetzt: "Berg der Vögel") in Oventic, im Hochland von Chiapas, nördlich von San Cristóbal de las Casas. In dieser Kooperative haben sich etwa 750 Tzotzil sprechende Kleinbauern aus 32 Dörfern der Region Oventic zusammengeschlossen. Der Vorteil der Kooperativen ist, dass diese Kaffeebauern nun geschlossen auf dem Markt auftreten und dort einen gerechten Preis aushandeln können. In "Mut Vitz" werden zusammen ca. 250 Tonnen Rohkaffee zu einem fairen Preis mit Bio-Zuschlag direkt exportiert. Dieser ist, nach Abzug der Unkosten der Kooperative, gut doppelt so hoch wie der Marktpreis, welcher weit unter den mexikanischen Produktionskosten liegt.

Siehe auch: Coyote ( Zwischenhändler) und Beneficio.

Links

Mexico-Community

Weitere Links

Persönliche Werkzeuge
Hilfe und Editübersicht