Manuel Álvarez Bravo

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Künstler, geb. 4.2.1902 Mexiko-Stadt, gest. 19.10.2002 Mexiko-Stadt

Manuel Álvarez Bravo, geboren in Mexiko-Stadt, gilt als einer der größten mexikanischen Künstler des 20.Jahrhunderts. Er ist der Vater der mexikanischen Fotografie und hat in seinen Bildern die wichtigsten politischen und kulturellen Ereignisse des Jahrhunderts in unzähligen fotografischen Werken festgehalten. In Mexiko wird er auch respektvoll „El Maestro“ genannt. Seine Person und sein Schaffen waren Thema von Essays, Gedichten und Romanen, geschrieben von Autoren wie Octavio Paz, Elena Poniatowska und Sergio Pitol, um nur einige zu erwähnen. Stark beeinflusst war sein fotografisches Schaffen von Tina Modotti, der in Italien geborenen, berühmten Fotografin und Revolutionärin, deren Heimat Mexiko wurde.

Inhaltsverzeichnis

Werk

Seine Fotos lassen sich verschiedenen Kunstbewegungen der westlichen Kultur zuordnen. Einige Werke unterliegen dem surrealistischen Einfluss, wie zum Beispiel „Der gute Ruf schläft“ oder „Optische Parabel“. Die Bilder „Instrumental“ oder „Toltec“ werden als der Inbegriff der Moderne bezeichnet. Fasziniert von der Thematik des „Mexicanismo“, beinhaltete sein Schaffen eine große Bandbreite der Sitten und Gebräuche seines Landes. Er bemühte sich, das Leben seiner Landsleute in Bildern zu dokumentieren, mit sehr viel Gespür für Detail und in seiner Art zunehmend minimalistischer. Er gilt als Leitfigur im Genre der politischen, ebenso wie der psychologischen Fotografie. Sein Foto „Getöteter streikender Arbeiter’“ wurde in den dreißiger Jahren als Werbung für die kommunistische Partei gesehen und als Symbol für das Engagement der Jugend in Mexiko.

Sein Leben

Erste Schritte

Er wurde 1902 als Sohn einer großen Familie in Mexiko-Stadt geboren, gleich hinter dem Zócalo. Schon mit 13 Jahren musste er dazu beitragen, den Lebensunterhalt zu verdienen. Sein größtes Hobby war das Lesen, viele Titel seiner Bilder gehen auf diese Lektüre zurück. Er arbeitete kurze Zeit in der Buchhaltung einer Textilfabrik und lernte dort so gut mit Zahlen umzugehen, dass er später sogar eine Stelle im gerade eingerichteten Finanzministerium erhielt (1917).

Obwohl er sich ständig weiterbildete und bis 1930 als Buchhalter arbeitete, machte er sich nicht wirklich etwas aus dem Umgang mit Zahlen. Er absolvierte zusätzlich Kurse in Musik und Literatur und lernte in dieser Zeit Hugo Brehme kennen (damals der führende Fotograf Mexikos), der ihn sehr inspirierte. Damals kaufte er seine erste Kamera und entwickelte seine Fotos in Brehmes Dunkelkammer.

Berufung als Beruf

1926 gewann er seinen ersten Preis bei einer regionalen Ausstellung. Ein Jahr später eröffnete er mit seiner ersten Frau Lola eine Galerie, die ein Treffpunkt für viele illustre Namen wurde wie: Frida Kahlo, Diego Rivera und Rufino Tamayo, um nur einige zu nennen. Dort lernte er auch die Fotografin und Revolutionärin Tina Modotti kennen, die ihn über alle Maßen bezauberte und inspirierte und die ihm ihre Kamera schenkte, als sie ins Exil flüchten musste. Damals versprach er ihr Werk fortzusetzen. Sie hatte ihn gelehrt, dass jedes Motiv durch die richtige Beleuchtung dramatische Bedeutung erhalten kann.

Das Jahr 1930 wurde entscheidend für seine Karriere, denn er machte seine Berufung zum Beruf. Er trat an Tina Modottis Stelle bei der Zeitschrift „Mexican Folkways“ und begann sich einen Namen zu machen mit Dokumentationen über die Werke der Muralisten. Er beendete seine Arbeit im Finanzministerium und ebenso seine Dozentenstelle für Fotografie und etablierte sich alsbald im In- und Ausland als führender Fotograf. In den 30er und 40er Jahren entstanden viele seiner klassischen Aufnahmen und seine konzentriertesten und experimentellsten Arbeiten in Fotografie und Kinematografie. Es war politisch und kulturell eine sehr bewegte Zeit und Mexiko war damals eine Zuflucht für viele radikale Demokraten und Künstler aus aller Welt.

Erfahrung als Filmemacher

Álvarez Bravo selbst wurde Zeit seines Lebens nie Mitglied einer Partei. Er schnupperte auch ins Filmbusiness und arbeitete als Standfotograf für die entstehende mexikanische Filmindustrie, wie zum Beispiel für Luís Buñuels „Nazarín“, ein Film über das Leben Christi. Bald versuchte er sich selbst als Regisseur, meist von Kurzfilmen. Er arbeitete mit bekannten Autoren zusammen, wie Juan de la Calbada und José Revueltas. Sein einziger längerer Film, der erhalten blieb, ist „Tehuantepec“ aus dem Jahr 1934, eine Studie über das Matriarchat.

Eine enge Freundschaft schloss er mit dem Fotografen Henri-Carter Bresson, mit dem er bald äußerst fruchtbar zusammenarbeitete. Die beiden stellten 1935 gemeinsam im Palacio de Bellas Artes aus, später sogar in New York. Obwohl Álvarez Bravo auch international zunehmend erfolgreicher wurde, war es nach wie vor schwierig, von der Arbeit als Fotograf zu leben. 1942 heiratete er seine zweite Frau Doris Heyden und ein Jahr später wurde er Mitglied in der Gewerkschaft der mexikanischen Filmschaffenden.

Späteres Schaffen

Bis 1959 arbeitete er als Dozent am mexikanischen Filminstitut. In diesem Jahr gründete er mit dem Schriftsteller Carlos Pellicer und dem Fotografen Gabriel Figueroa den „Fondo Editorial de la Plástica Mexicana“. Diesem Verlag für Kunstbücher gehörte Bravo als Fotograf und künstlerischer Leiter bis 1980 mehr als zwanzig Jahre lang an. Er förderte die Kunst im In- und Ausland und lernte in Paris seine dritte Frau Colette Urbajtel kennen, die er 1962 heiratete. Während der 60er und 70er Jahre experimentierte er mit neuen Vergrößerungstechniken und mit der Farbfotografie. Darüber sagte er einmal, dies sei nicht sein bevorzugtes Medium: „Mexiko hat zu viele Farben für Farbaufnahmen ...“.

Für die Kulturstiftung "Televisa" bereiste er zwischen 1980 und 1986 die gesamte Welt, um die wichtigsten Werke der letzten 150 Jahre Fotografie in einer Sammlung zu veröffentlichen. Es wurde daraus ein Werk aus drei Bänden: „Luz y Tiempo“, das 1995 veröffentlicht wurde. Bereits 1982 erschien der Band: „Instante y Revelacíon“ mit 71 seiner Aufnahmen und einer Gedichtesammlung von Octavio Paz. Im Jahr 1993 erhielt er den Titel: „Creador Emérito“, eine Ehrung des Nationalen Rates für Kunst und Kultur. Mit der Dokumentation und der Katalogisierung seines überaus umfangreichen persönlichen Archivs sind noch heute drei Fachleute beschäftigt.

Auf die Frage warum immer Mexiko auf seinen Bilder zu sehen sei, antwortete er: “Warum hätte ich Mexiko verlassen sollen, wo ich alles habe, was ich brauche“.

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