Mennoniten

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In Cuauhtémoc, ca. 82 km von der Stadt Chihuahua entfernt, lebt eine Gemeinde deutschstämmiger altevangelischer Mennoniten. Die Mennoniten stammen aus der Täuferbewegung der Reformationszeit und sind die älteste evangelische Freikirche.

In Cuauhtémoc leben ca. 50.000 Gemeindemitglieder in mehr als 200 Dörfern. Bedingt durch einen von der mexikanischen Regierung erhaltenen Sonderstatus, kann die Gemeinde der Mennoniten die Beziehungen zu den mexikanischen Nachbarn und der Landesregierung auf das notwendigste Minimum beschränken. Die (mexikanischen) Mennoniten haben bis heute ihre plattdeutsche Sprache sowie ihre Religion (nach der Lutherbibel) erhalten. Sie geben eine eigene Gemeindezeitung heraus.

Die vormals strengen Sitten und Regeln der Mennoniten haben sich im Laufe der Jahre gewandelt. Heute existieren drei Hauptgruppen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen in Cuauhtémoc.

  • Während die konservativen Mennoniten an den alten Traditionen ihrer Vorfahren festhalten, wie zum Beispiel die Ablehnung von moderner Technologie (Strom, Autos und Traktoren werden als Teufelswerk abgelehnt) und keinen Kontakt zu Nicht-Mennoniten gestatten,
  • erlauben die Gruppen der liberalen Mennoniten den Kontakt zur mexikanischen Bevölkerung und Nicht-Mennoniten und unterstützen zudem eine breitere Schulausbildung.

Die Mehrheit der Mennoniten sind Bauern und stellen verschiedene Landwirtschaftsprodukte her . Bekannt sind die Mennoniten von Cuauhtémoc für ihre Milchprodukte. Der von ihnen hergestellte Käse wird im ganzen Land verkauft ("Queso Menonita"). Weiterhin unterhalten die Mennoniten die größten Apfelplantagen Mexikos und betreiben Vieh-und Pferdezucht. In den letzten Jahrzehnten hat sich zudem noch der Handel, das Handwerk und die Industrie hinzugesellt.

Die Existenz der Mennoniten ist jedoch durch immer wiederkehrende Dürrejahre und durch das Freihandelsabkommen NAFTA von 1994, und die damit verbundene Einfuhr von billigen Produkten, gefährdet. Dazu kommt noch vorhandene Landknappheit aufgrund der schnell wachsenden Gemeinde. Jedes Mennoniten-Paar bringt im Durchschnitt zwischen acht und zwölf Kinder auf die Welt. Immer mehr Mennoniten sehen sich gezwungen, als Erntehelfer zwischen Mexiko und der kanadischen Provinz Manitoba hin- und herzupendeln. Ebenfalls wandern immer mehr Mennoniten aus. Während die konservativen Mennoniten nach Paraguay, Bolivien und Argentinien auswandern, ziehen die mehr liberalen Mennoniten Kanada als Auswanderungsland vor. Schätzungsweise sind in den vergangenen Jahren bereits ca. 20.000 mexikanische Mennoniten nach Kanada ausgewandert.

Geschichte

In der fast vierhundertjährigen Geschichte der Religionsgemeinschaft der Mennoniten, wanderten diese von Deutschland, über die Niederlande, nach Polen, Russland und nach Kanada aus. Kanada erreichten sie im Zuge ihrer Wanderung im Jahre 1870. Als zum Ende des Ersten Weltkriegs die Regierung von Kanada die Wehrpflicht, die allgemeine Schulpflicht und den damit verbundenen Englischunterricht auf die Mennoniten ausweiten wollte, führte dies zu einer erneuten Auswanderung dieser religiösen Gruppe.

Álvaro Obregón, der zu dieser Zeit Staatspräsident von Mexiko war, sicherte 1921 den Mennoniten volle Religionsfreiheit, die Befreiung vom Wehrdienst und vom Schwören des Eides sowie das Recht auf eigene Schulen in eigener Sprache zu. Nachdem die Mennoniten ihren Besitz in Kanada verkauft und geeignetes Land in Chihuahua erworben hatten, erreichte am 8. März 1922 der erste Treck mit 7.000 Mennoniten Cuauhtémoc. In nur wenigen Jahrzehnten verfünffachte sich ihre Zahl.

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