Molinillo
From Mexiko-Lexikon
(spanisch) Molinillo = (deutsch) Handmühle
Der Molinillo (gesprochen: moh-lee-nee-yoh), eine Art Holzquirl, wird in vielen Teilen Mexikos für die Herstellung schaumiger Trinkschokolade (Kakao), Atole und Champurrado benutzt. Die Funktion des Molinillo besteht zum einen darin, die Schokolade im Kochtopf zu zerkleinern und zu verrühren und zum anderen zum oxidieren (=Sauerstoff zufügen), damit sich Schaum bildet. Beim Kauf eines Molinillo sollte bei der Größe darauf geachtet werden, ob dieser für den Einsatz im Kochtopf, in einer Tasse oder Glas oder in einer Schale gedacht ist.
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Benutzung
Um ein schaumiges Kakaogetränkt zuzubereiten, wird der Molinillo, ein längliches rundes Holzstück von ca. 30 cm Länge an dessen Ende sich drei bewegliche Holzringe befinden, in die heiße Trinkschokolade getaucht und zwischen den beiden Handflächen schnell hin und her bewegt.
Geschichte
Maya und Azteken
Bereits die Hochkultur der Maya und Azteken kannten verschiedene Arten der Kakaozubereitung. Da für sie der Schaum des Kakaogetränks das Wichtigste und Schmackhafteste war, bevorzugten sie die Zubereitung der schaumigen Variante. Während die Maya den Schaum dadurch erzeugten, dass sie das Kakaogetränk solange aus einer gewissen Höhe in ein am Boden befindliches zweites Gefäß gossen, benutzen die Azteken bereits einen Holzquirl. Für diesen aztekischen Holzquirl, den es in unterschiedlichen Formen und Größen gab, wurden ebenfalls unterschiedliche Náhuatl –Bezeichnungen verwendet.
Alonso de Molina, der im Jahre 1571 das erste Wörterbuch mit Náhuatl-Übersetzungen publizierte (Vocabulario en lengua castellana y mexicana), übersetzte das Náhuat-Wort „aneloloni“ mit: Instrument zum schaukeln des Kakaos während der Herstellung.
Rémi Símeon verwandte für den Holzquirl der Azteken das Náhuatl-Wort „chicolli“ und übersetzte es 1885 in seinem Wörterbuch „Dictionnaire de la Langue Nahuatl ou Mexicaine“ mit „Widerhaken/ Quirl“.
| Azteken bei der Zubereitung von Trinkschokolade ("Xocolatl") | |||
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| Der Amsterdamer Reiseschriftsteller Olfert Dapper (1635-1689) stellte auf seiner Zeichnung "Die unbekannte Neue Welt" Azteken bei der Zubereitung von Trinkschokolade ("Xocolatl") dar. Zu sehen ist, wie Kakaobohnen geröstet und gemahlen werden. Rechts in dem Bild ist ein Kruggefäß mit dem Einsatz des Molinillo zu sehen. | |||
Chicolli
Der „Chicolli“ (manchmal auch Chicoli geschrieben) ist einer der ältesten antiken Kakao-Holzquirle. Aktuell wird der Chicolli noch von der indigenen Bevölkerung im Bundesstaat Chiapas und Tabasco verwendet. Je nach Länge des Holzstieles wird der Chicolli für unterschiedliche Verwendungen eingesetzt. Kleiner Holzstiel: Zum quirlen des Kakaos. Mittlerer Holzstiel: Als Aufhängevorrichtung für Proviant, der unter der Wohndecke befestigt wird. Langer Holzstiel: Damit werden Früchte von den Bäumen heruntergeholt.
Der Name Molinillo
Während der Kolonialzeit wurden von den Spaniern, neben anderen diversen Gegenständen, auch Kochutensilien, wie zum Beispiel der Kakao-Holzquirl, per Schiff nach Europa eingeführt. Vermutungen sprechen davon, dass dieser Holzquirl seinen Namen Molinillo, in Bezug auf mahlen (spanisch „moler“), in Anlehnung an die Zeichnung kleine Pfeffermühlen (molinos de pimienta) von Leonardo da Vinci erhielt. Die Zeichnungen dieser kleinen Pfeffermühlen (molinos de pimienta) waren zu diesem Zeitpunkt in Europa im Umlauf.
La Molina
Laut einer Überlieferung ließ Maria Theresia von Spanien (* 1638 † 1683), Ehefrau des Sonnenkönigs Ludwig XIV. eigens für die Zubereitung von Trinkschokolade eine Zofe aus Spanien holen. Die Zofe wurde in Anlehnung an den Molinillo (Handmühle/Rührstab) „La Molina“ genannt.
Produktion
Mehrere Gemeinschaften haben sich in Mexiko auf die Herstellung von Molinillos spezialisiert. Besonders gute und schöne Molinillos werden aktuell hergestellt in den Bundesstaaten Michoacán, Estado de México, Oaxaca und Puebla .
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