Nopal
From Mexiko-Lexikon
Der Nopal (Feigenkaktus) umfasst eine Anzahl von über 400 Arten von der botanischen Gattungen Opuntia und Nopalea. Er wird in Mexiko auch "Nopal", "Nochtlis", "Nopalitos" oder "Nopales" genannt. Opuntia ficusindica ist eine Art, die von den vorspanischen Völkern domestiziert wurde. Mit der Zeit hat sie immer kleinere Dornen entwickelt, denn sie wurde auf schattigen Orten kultiviert. Aufgrund ihrer kleinen Dornen, was ihre Handhabung leichter macht, ist sie die Art, die am meisten gezüchtet, kommerzialisiert und gegessen wird.
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Beschreibung
Im Gegensatz zu den meisten Kakteen, deren Körper säulen- oder kugelförmig ist, besteht der Nopal aus flachen, ovalen Sprossen. Der Nopal-Kaktus erreicht eine Höhe von bis zu 7 Metern. Er wächst wild oder aber kultiviert. Der Nopal–Kaktusstrauch hingegen wird nur ca. 1,5 Meter hoch. Die Lebenserwartung des Nopal liegt bei ca. 50 Jahren. Am besten wächst der Nopal auf Vulkan- oder Kalkstein. Der in Mexiko beheimate Nopal "Opuntia ficus-indica" bildet nach der roten Blüte, wie alle Opuntien Scheinfrüchte, die auch Beeren genannt werden. Diese dornigen Früchte, die so genannten Tunas, stehen fast ausschließlich am Rand der endständigen Platycladien (Flachsprossen) und sind im Fruchtknoten mit dem Achsengewebe verwachsen. Die Flachsprossen werden aufgrund ihrer flachen Form häufig als Blätter bezeichnet. Der korrekte Name lautet jedoch: Sprosse oder Flachsprosse.
Der Feigenkaktus ist sehr repräsentativ für die mexikanischen Landschaften und Kultur, und wird auch im Wappen der Nationalflagge Mexikos dargestellt. Die „ Jungfrau von Guadalupe“ wird häufig ebenfalls von Nopalblättern umgeben dargestellt.
Nahrung und Naturmedizin
Der Nopal Kaktus wird in Mexiko sowohl als Gemüse als auch als Naturarznei geschätzt.
- Nopalitos: Für die Zubereitung von Speisen werden nur die zarten, jungen weichen Blätter, die man in Mexiko Nopalitos nennt, verwendet. Die Nopalitos, von ihren Stacheln befreit, werden als Volksnahrung direkt verwertet, gebraten, gekocht oder geschmort. Ein in vielen mexikanischen Restaurants angebotener Kaktusblättersalat, der in den Nationalfarben Mexikos angeboten wird, ist „Ensalada de nopalitos.“ Für diesen Salat werden grüne Kaktusblätterstreifen, weiße Zwiebelringe und rote Tomatenscheibe in drei Reihen nebeneinander auf den Teller gelegt.
- Tunas:Die ovalen, süß-säuerlich schmeckenden Früchte des Feigenkaktus, die in Mexico "Tunas" oder "Xoconostles" genannt werden, sind ebenfalls essbar.
- Naturmedizin:Die Nopalitos sich reich an Wirkstoffen und sind bekannt für ihre Zucker und Cholesterin senkende Wirkung. Ebenfalls sagt man dem Feigenkaktus nach, dass er auch bei Verstopfung, Fettleibigkeit und Magenbeschwerden hilft und zudem stabilisierend auf das Herz-Kreislauf-System wirkt.
Nopalproduktion
In der Milpa Alta, Verwaltungsbezirk von Mexiko-Stadt im Südosten, findet eine der größten Nopalproduktionen Mexikos statt. Auf ca. 6.000 Hektar werden 16 Arten des Nopal angebaut. Auf einem Hektar können bis zu 40.000 Pflanzen stehen. Die jährliche Ernte liegt bei ca. 250.000 Tonnen. Durch den ständigen Rückschnitt der Pflanze, wodurch diese immer wieder neu austreibt, sind das ganze Jahr über Beschäftigung und tägliche Ernten garantiert.
Von den ca. 81.102 Einwohner von Milpa Alta arbeiten fast 59.000 in der Nopalproduktion. Obwohl die indigene Bevölkerung in der Milpa Alta bereits seit Jahrhunderten den Nopal in ihren Gärten anbaute, wurde die Milpa Alta lange Zeit durch den Anbau des Maguey dominiert. Nachdem jedoch in den fünfziger Jahren die Nachfrage nach Pulque drastisch zurück ging, rückte der Anbau von Nopal an erster Stelle. Die Nopalproduktion ist auch Arbeitgeber für zahlreiche Wanderarbeiter. Hier sind in erste Linie Bauern der indigenen Bevölkerung der Mazahuas und Mixteken zu nennen.
Ernte
Die erste Ernte findet ca. ein halbes Jahr nach der Pflanzung statt. Frühmorgens, da um diese Zeit die Pflanzen noch taufeucht sind, werden die jungen Sprossen (Nopalitos) mit einem Messer direkt an der Austriebsstelle der Pflanze abgetrennt. Die Entfernung der jungen Sprossen, sobald sie eine Länge von ca. 15 cm erreicht haben, veranlasst die Pflanze zu einen kontinuierlichen Austrieb immer weiterer neuer Sprossen und garantiert somit eine ganzjährige Ernte. Aufgrund dessen, dass die dornigen Nopalpflanzen sehr eng beieinander stehen, ist die Ernte nicht ungefährlich. Nach traditioneller Art der Azteken werden die abgeschnittenen Blätter (Nopaltios), jeweils zwischen 2.000 bis 3.000 Stück, nach der Ernte symmetrisch im Kreis herum aufgestapelt und zu kreisrunden Bündeln gepackt. Im Anschluss werden diese Bündeln von den Sammelstellen aus auf die Märkte der Hauptstadt, wo die Blätter im Sechserpack verkauft werden, oder in nahe gelegene Fabriken transportiert. Nopalblätter, meist in Konserven wie zum Beispiel "Nopalitos en escabeche" oder "Nopalitos al natural", werden auch in die USA, Europa und Japan exportiert.
Gefahren für den Nopal
- Trockenheit: Die Nopalpflanzungen in der Milpa Alta, das bei seiner Wasserversorgung ausschließlich auf Regenwasser angewiesen ist, sind durch zunehmende Trockenheit gefährdet.
- Überproduktion: Eine weitere Gefahr sind Überproduktionen durch den Einsatz von Insektizide. Wurden bei der traditionellen Anbauweise noch die kranken Pflanzen ausgerissen und durch junge, erst noch nachwachsende Pflanzen ersetzt, und somit ein stetiges Gleichgewicht in der Produktion gehalten, so führt in der heutigen Zeit der Einsatz von Insektizide zu immer größeren Ernteerträgen. Überproduktionen, vorwiegend im Frühjahr, führen jedoch zum Preisverfall. Dieser Preisverfall veranlasst schlussendlich die Bauern, die Nopaltios einfach wegzuwerfen.
- Auslaugen des Bodens: Monokultur führt zu einer Abnahme der Bodenqualität.
- Wilde Müllkippen: Diese Müllkippen verbreiten nicht nur Gestank sondern vergiften und vernichten Nopalflächen.
- Ausdehnung der Stadt: Aufgrund dessen, das sich die Stadt immer weiter ausdehnt und immer mehr Flächen für Wohnraum zur Verfügung gestellt werden müssen, nehmen die Anbauflächen des Nopal ab.
- Kaktusmotte: Einst hatten sich die Larven dieser Motte (Cactoblastis cactorum), die sich vom Nopal ernähren, als natürliches Bekämpfungsmittel gegen das unverhältnismäßige Wachstum der Opuntien auf Ackerflächen bewährt, vor allem in Australien und Südafrika, wo diese schon in den 30er Jahren für Unkraut gehalten waren. Heute bedeutet Cactoblastis cactorum ein potenziell hohes Risiko für die Populationen von wilden Opuntien in Nordamerika.
Geschichte
- Bernardino de Sahagún: Bereits in den Chroniken des Priesters Bernardino de Sahagún, "Historia General de las Cosas de la Nueva España" wird der Nopal als ein monströser Baum, welcher den spanischen Soldaten ernstliche Verletzungen zufügte, beschrieben. Zitat: […“Es monstruoso este árbol". Fray Bernardino de Sahagún, México, 1565…] .
- Huitzilopochtli: Einer Legende nach soll Huitzilopochtli den Azteken prophezeit haben, dass sich ihre neue Heimat dort befinden würde, wo auf einer Insel ein Nopalkaktus aus einem Stein herauswächst und auf dessen Spitze ein Adler sitzt. Siehe hierzu: Huitzilopochtli - Die Prophezeiung.
- Bei den Azteken war der Nopalkaktus auch wegen der auf ihr vorkommenden Nopalschildlaus, auch "Cochenille", spanisch: "Cochinilla", oder auch "Coccus cacti" beliebt. Siehe hierzu : Cochenille .
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