PRD
From Mexiko-Lexikon
PRD = Partido de la Revolución Democrática (Partei der demokratischen Revolution)
Die PRD ist eine linksgerichtete Partei. Seitens von Kritikern wird ihr populistisches Verhalten vorgeworfen. Gegründet im Frühjahr 1989 (offizielle Registrierung am 26.Mai 1989), ist sie ein Zusammenschluss mehrerer Protestbewegungen und linksgerichteter Parteien gegen die langjährige Herrschaft der PRI.
Vorläuferbewegung war der "Frente Democrático Nacional", eine Unterstützerplattform für den oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Cuauhtémoc Cárdenas Solórzano im Jahre 1988. Cárdenas nutzte die Massenbewegung nach den Wahlen für seine politische Arbeit, zugleich bildeten sich regionale Zellen der neuen Partei. Im November 1990 wurde er auf dem ersten Parteitag zum ersten Parteichef (Presidente Nacional) gewählt. Bei den ersten Parlamentswahlen seit der Präsidentschaftswahl erzielte die PRD acht Prozent der Stimmen.
Im Juni 1997 gelang es der PRD, gestützt auf die hohe Popularität von Cárdenas, die ersten Wahlen zum Parlament und Regierungschef von Mexiko-Stadt zu gewinnen. Seitdem hat die einstige Protestpartei auch die Gouverneurswahlen in Zacatecas unter Ricardo Monreal (1997), Tlaxcala unter Alfonso Sánchez Anayas (1998), Baja California Sur unter Leonel Cota Montaño (1999) und schließlich Chiapas durch Pablo Salazar Mendiguchía gewonnen, wenngleich dort an der Spitze einer Koalition aus PRD, PAN und anderen Gruppen (2000). Im November 2001 folgte der Bundesstaat Michoacán, Cárdenas Heimat, der an dessen Sohn Lázaro Cárdenas Batel fiel.
Die PRD war nach den Bundesparlamentswahlen von 2000 und 2003 drittstärkste Partei im mexikanischen Parlament. 2003/2004 erlitt sie eine schwere Identitäts- und Glaubwürdigkeitskrise aufgrund mehrerer Korruptionsskandale (u.a. Videoescándalos. Parteichef ist seit 2005 Leonel Cota Montaño.
Bei den Präsidentschaftswahlen 2006 trat der frühere Parteichef und Regierungschef von Mexiko-Stadt, Manuel Andrés Lopez Obrador als Chef einer Wahlkoalition (Por el Bien de Todos) an. Er errang nach vorläufigem Ergebnis 35,31 Prozent der Wählerstimmen und damit den zweiten Platz. Die PRD stieg aber ebenfalls zur zweitstärksten Fraktion im Abgeordnetenhaus (drittstärkste im Senat) auf. Sie hat seitdem aber Staatspräsident Felipe Calderón nicht als solchen anerkannt. López Obrador bekleidet zwar kein Parteiamt, wird aber allgemein als Parteiführer angesehen. Parteigründer Cárdenas bekleidet mittlerweile ebenfalls kein Parteiamt mehr.
Die PRD ist intern in mehrere Richtungen gesplittet. 2007 waren es beispielsweise der "Frente Politico de Izquierda" (FPI), ein Verbund der Gruppen "Izquierda Democrática Nacional" (IDN), ein Projekt von René Bejarano, "Izquierda Social" (IS), geführt von Martí Batres und "Unidad y Renovación" (Unir). Ihr gegenüber steht die "Nueva Izquierda" (NI), die sich auf dem 10. Parteitag 2007 in Zacatecas mit ihren Forderungen durchsetzen konnte. Im Kampf um die Besetzung der Führungspositionen 2008 standen sich die Gruppierungen "Nueva Izquierda" und das neue Bündnis "Izquierda Unida" gegenüber. Letzterem gehören die Gruppen "Foro Nuevo Sol", "Izquierda Social", "Izquierda Democrática Nacional", "Unidad y Renovación" und "Izquierda en movimiento" an.
Seit Frühjahr 2008 steckte die Partei in einer schweren Krise, nachdem bei der internen Wahl des neuen Parteichefs kein Endergebnis ermittelt werden konnte und die beiden Hauptbewerber Alejandro Encinas und Jesús Ortega monatelang um eine Lösung ringen. Anfang Mai 2008 erklärte aber das Oberste Wahlgericht des Landes, dass sämtliche Wahlstimmen erneut ausgezählt werden sollten - zuvor hatte eine interne Parteikommission mit nur 83,1 Prozent ausgezählten Stimmen Alejandro Encinas zum Wahlsieger erklärt. Auf einer Parteiversammlung wurde schließlich mit Guadalupe Acosta Naranjo ein Übergangspräsident gewählt. Danach konnte sich aber Jesús Ortega durchsetzen. Am 12. November 2008 erklärte das Oberste Wahlgericht Ortega zum Sieger der Wahlen mit einem Ergebnis von 48,83 Prozent der Stimmen ([1]), am 30. November 2008 übernahm er das Amt des Parteichefs.
Parteichefs seit 1988
- 1988-1993 Cuauhtémoc Cárdenas Solórzano
- 1993 Roberto Robles Garnica
- 1993-1996 Porfirio Muñoz Ledo
- 1996-1999 Andrés Manuel López Obrador
- 1999 Pablo Gómez Álvarez
- 1999-2002 Amalia García Medina
- 2002-2004 Rosario Robles
- 2004-2005 Leonel Godoy Rangel
- 2005-2008 Leonel Cota Montaño
- 2008 Guadalupe Acosta Naranjo (Übergangspräsident)
- 2008- Jesús Ortega

