Pyramiden

From Mexiko-Lexikon

(Weitergeleitet von Pyramide)
Jump to: navigation, search

Inhaltsverzeichnis

Begriffserklärung

Eine Pyramide ist ein Baukörper über einem (meist) quadratischen Grundriss mit allseitig abgeschrägten Oberflächen und mit einem ungefähren Neigungswinkel von 50 Grad. Als erste, sogenannte „echte Pyramide“, wird die „Rote Pyramide“ von Dahschur in Ägypten bezeichnet.

Der Begriff „echte Pyramide“ wird benutzt, wenn sich die vier, auf einer quadratischen Grundfläche befindlichen dreieckigen Seitenflächen in einer gemeinsamen Spitze treffen.

Stufenpyramide

Stufenpyramide in Chichén Itzá
vergrößern
Stufenpyramide in Chichén Itzá
Nischenpyramide in El Tajin
vergrößern
Nischenpyramide in El Tajin
Stufenpyramide in Uxmal
vergrößern
Stufenpyramide in Uxmal

Die korrekte Bezeichnung der Pyramidenbauten in Mexiko lautet nicht Pyramide, so wie man sie zum Beispiel in Ägypten findet, sondern Stufenpyramide.

Im Unterschied zu einer „echten Pyramide“ bestehen die Seitenflächen bei einer Stufenpyramide nicht aus glatten Seitenflächen, die sich in einer gemeinsamen Spitze treffen, sondern aus Stufen bzw. Treppenkonstruktionen, die an einem Plateau, welcher als Sockel für den Tempelbau diente, enden.

Stufenpyramiden wurden in Mexiko etwa in Zeit von 1200 v. Chr. bis 1519 n. Chr. errichtet. Die Stufenpyramiden wurden auf rechteckige wie auch ovale Grundrisse erbaut und weisen unterschiedliche Treppenkonstruktionen auf. Die Treppe befindet sich stets in der Mitte der Seitenfläche. Manche Stufenpyramiden weisen nur eine Treppe auf, wohingegen bei andere Stufenpyramiden Treppen paarweise auf den gegenüberliegenden Seiten zum Tempel hinaufführen. Wiederum andere Stufenpyramiden weisen Treppen auf allen vier Seitenflächen auf. Ebenfalls gibt es Unterschiede im Neigungswinkel der Treppen. Manche Treppen führen in einer Linie zur Tempelplattform und andere Treppen werden durch Zwischenpodeste in mehrere Treppenabsätze unterteilt.

Die Stufenpyramiden in Mexiko wurden exakt in Relation zu vorhandenen Planeten- und Sternenkonstellationen errichtet. In allen Maya-Städten weichen die Achsen der Bauwerke um 17° von der nordöstlichen Richtung ab.

Ein Rätsel für die Forscher bildet bis heute die Frage, warum Pyramidenbauten an unterschiedlichen Stellen der Erde so große Ähnlichkeit aufweisen. So wurden beispielsweise die Sonnenpyramide in Mexiko (Teotihuacán) und die Cheopspyramide in Ägypten auf gleich großer Grundfläche gebaut. Zudem präsentiert sich die Ausrichtung zu Sonne, Mond und Sternen absolut identisch. In den Reisfeldern Indonesiens ragt eine Pyramide empor, deren Pendant sich viele tausend Kilometer entfernt in Mexiko findet.

Funktion der Stufenpyramiden

Anders als die ägyptischen Pyramiden, welche als Gräber für Pharaonen gebaut wurden, dienten die Stufenpyramiden in Mexiko religiösen und astronomischen Zwecken, zum Beispiel zu Sonnenbeobachtung, Sonnenfinsternisvorhersagen und Bestimmung von Sonnwenden (Equinoccio). Diese Beobachtungen und Voraussagen waren von wichtiger Bedeutung für die Bestimmung von Aussaat- und Erntezeiten, die Einhaltung landwirtschaftlicher Zyklen, oder ritueller Weihungszeremonien zum Ende des Sonnenjahres.

Mythologie der Stufenpyramiden

Laut dem Weltbild der Maya bestand die Welt zum Beginn nur aus Wasser und Himmel. Dabei wurde der Himmel durch den Weltenbaum (Ceiba) gestützt, damit er nicht auf das Wasser fällt. In ihren Städten und Sakralbauten wiederholten die Maya ihre Schöpfung. Im religiösen Zentrum einer Stadt stellte der Platz vor der Stufenpyramide symbolisch das Urwasser dar. Diesen Platz nannten die Maya „nab“ , was übersetzt so viel wie Ozean oder See bedeutet. Die Stufenpyramide selbst symbolisierte den Ceiba-Baum oder, wie ihn die Maya nannten, Yaxché. Die Stelen, welche sie „te“ oder auch „tun“ nannten, symbolisierten die steinernen Bäume, die sich zwischen dem Urwasser und dem Himmel ausbreiteten. Die Stufenpyramiden stellen somit den Ausdruck der sogenannten Heiligen Geometrie der Maya dar. In den Stufenpyramiden spiegelt sich die Urenergie, die von den Maya als Hunab Ku bezeichnet wurde. Hunab steht für göttliche Energie und Ku für Pyramide.

Überbauung der Stufenpyramiden

Die Stufenpyramiden Mexikos wurden von den vorspanischen Kulturen alle 52 Jahre überbaut. 52 Jahre umfasste bei den Mayas und Azteken den Zeitraum von einem Jahrhundert. Der Ablauf eines Jahrhunderts (= 52 Jahren) war erreicht, wenn die religiösen Kalender, bei den Mayas Haab und Tzolkin und bei den Azteken Tonalpohualli und Xiupohualli, sich nach der jeweiligen Kalenderrunde trafen.

52 Jahre bedeuteten für die vorspanischen Kulturen jedoch nicht nur den Ablauf eines Jahrhunderts, sondern der Ablauf von 52 Jahren stellte auch den Zeitpunkt dar, an dem die Plejaden (= offener Sternhaufen mit mindestens 130 Sternen, etwa 410 Lichtjahre vom Sonnensystem entfernt) um Mitternacht den Zenit des Himmels kreuzen. Diese Plejadenkonstellation wurde von den Azteken „Tianquiztli“, (übersetzt: „Versammlungsort“) genannt und stellte für sie, genau wie auch für die Mayas, ein wichtiges Symbol für den Fortbestand des Lebens dar. In der Mythologie dieser Kulturen wurde die Welt alle 52 Jahre neu geboren oder aber es bestand die Gefahr, dass nach Ablauf eines Jahrhunderts (= 52 Jahre) die Welt erneut untergehen würde. Ging die Welt in dieser „besonderen Nacht“ nicht unter, wurde nach der " Zeremonie des Neuen Feuers " mit der Überbauung der jeweiligen Stufenpyramide begonnen. Manche Stufenpyramiden in Mexiko weisen teilweise 7 bis 8 Überbauungen auf.

Baumaterial

Zum Bau der Stufenpyramiden wurden entweder Kalkstein, Mörtel und Holz oder Adobe–Ziegel - wie zum Beispiel beim Bau der Sonnenpyramide in Teotihuacán - benutzt.

Bau einer Stufenpyramide

Eine Stufenpyramide besteht im Prinzip aus einer Außenwand aus Stein, deren Hohlraum mit Steinen aufgefüllt wurde.

Auf einer Grundfläche wurde Schicht für Schicht eine aus mit Mörtel verbundenem Stein bestehende, stufenförmige Wand gebaut, wobei jede Stufe ein Stück zur Pyramidenmitte hin zurücksprang. Um dem Druck der Gesamtkonstruktion Stand zu halten, wurde der Innenraum dabei jeweils mit einem Stein-Mörtel-Gemisch ausgefüllt. Der benötigte Mörtel wurde aus Branntkalk gewonnen. Dazu wurde der puderförmige Branntkalk mit zerkleinerten Steinen und Wasser gemischt. Nach Fertigstellung wurde die Stufenpyramide mit Stuck, der aus feinem Kalk, Wasser und pflanzlichen Gummisaft bestand, überzogen. Die Stufenpyramiden waren entweder einfarbig rot oder in mehreren Farben bemalt.

Stufenpyramiden in Mexiko

Hinweis: Siehe auch Archäologische Stätten in Mexiko.

Links

Mexiko-Cancun

Mexico-Community

Persönliche Werkzeuge
Hilfe und Editübersicht