Reformkrieg
From Mexiko-Lexikon
Reformkrieg: Dezember 1857 bis Januar 1861
Der Reformkrieg, spanisch: Guerra de Reforma oder auch Guerra de Tres Años (dreijähriger Krieg), war ein blutiger Bürgerkrieg zwischen den Liberalen unter dem verfassungsmäßigen Präsidenten Benito Juárez (Staatspräsident vom 19.Januar 1858–18.Juli 1872) und den von der Kirche unterstützten Konservativen.
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Hintergrund
Hintergrund für diesen Krieg waren Reformgesetze der Liberalen, die gegen den Widerstand der Konservativen im Wesentlichen eine Ausschaltung des Einflusses des Klerus auf den politischen Bereich zum Ziel hatten. Die fortdauernden Widerstände der Konservativen führten schließlich zum Vorhandensein von zwei Staatspräsidenten (verfassungsrechtlicher der Liberalen mit Residenz in Veracruz und nicht-verfassungsrechtlicher der Konservativen mit Residenz in Mexiko-Stadt). Im ganzen Land fand eine Polarisierung statt und in einem immer blutiger werdenden Bürgerkrieg wechselten viele weniger radikale Konservative zu den Liberalen unter Benito Juárez.
Zwei Staatspräsidenten
Gemäß der mexikanischen Verfassung wird bei Abwesenheit des zuvor amtierenden Staatspräsidenten das Präsidentenamt bis zur nächsten Wahl vom Präsidenten des Obersten Gerichtshofs übernommen. Dieser verfassungsrechtliche Auftrag wurde jedoch im Dezember 1857 mit einem Putsch der Konservativen unter General Félix María Zuloaga, der mit seinen Truppen Mexiko-Stadt besetzte, missachtet. Während die von der Kirche unterstützten Konservativen den amtierenden Liberalen und verfassungsmäßigen Präsidenten Ignacio Comonfort (Staatspräsident vom 15.September 1855-21.Januar 1858) zum Rücktritt zwangen und durch Zuloaga ersetzten, wurde Benito Juárez von den Liberalen in der Provinz gemäß der Verfassung zum rechtmäßigen Präsidenten ernannt.
In Opposition zu Benito Juárez stehende Konservative Präsidenten im Reformkrieg von Dezember 1857 bis Januar 1861 waren:
- Félix María Zuloaga: Januar 1858 - Dezember 1858
- Manuel Robles Pezuela: Dezember 1858 - Januar 1859
- José Mariano Salas: Januar 1859 - Februar 1859
- Miguel Miramón: Februar 1859 - August 1860
- José Ignacio Pavón: August 1860
- Miguel Miramón: August 1860 – 24.Dezember 1860
Verlauf des Reformkrieges
Verfassung von 1857
Ausschlaggebend für den Reformkrieg von Dezember 1857 bis Januar 1861 war eine am 5. Februar 1857 unter dem liberalen Präsidenten Ignacio Comonfort in Kraft getretene neue föderalistische Verfassung, die eine repräsentativ-demokratische Regierungsform vorsah, die jedoch von den Konservativen nicht akzeptiert wurde. Dieser neuen Verfassung waren im Wesentlichen drei Reformgesetze der Liberalen vorausgegangen, die eine Ausschaltung des Einflusses des Klerus auf den politischen Bereich zum Ziel hatten und die auf erheblichen Widerstand der Konservativen stießen. Die drei Reformgesetze, die nach dem Namen ihrer Urheber benannt wurden, waren:
- Ley Juárez (Urheber: Benito Juárez) vom 23. November 1855: Hob die religiösen und militärischen Privilegien auf. Die kirchlichen Gerichte waren für die zivilen Angelegenheiten nicht mehr zuständig.
- Ley Lerdo (Urheber; Miguel Lerdo de Tejada) vom 25. Juni 1856: Freigabe zum Verkauf des gesamten kirchlichen und kommunalen Landbesitzes.
- Ley Iglesias (Urheber: José María Iglesias) vom 11.April 1857: Befreiung der bedürftigen Schichten von der Zahlung der Pfarrnebenverdienste.
Putsch im Dezember 1857
Auf die neue Verfassung, in der die römisch-katholische Kirche nunmehr nicht mehr ausdrücklich als alleinige Religion anerkannt wurde, reagierte die Kirche mit der Drohung der Exkommunikation von Ignacio Comonfort und seinen Anhängern.
Die Forderung nach Annullierung der Reformgesetze und eine Revision der Verfassung gipfelte am 17. Dezember 1857 in einen Putsch unter General Félix María Zuloaga, der mit seinen Truppen Mexiko-Stadt besetzte.
Während die von der Kirche unterstützten Konservativen Comonfort zum Rücktritt zwangen und durch Félix María Zuloaga ersetzten, wurde Benito Juárez (amtierender Präsident des Obersten Gerichtshofs) von den Liberalen am 11.Januar 1858 in Guanajuato gemäß der neuen Verfassung von 1857 zum neuen Präsidenten ausgerufen. Comonfort verlässt Mexiko-Stadt am 21.Januar 1858. Benito Juárez, der seinen Regierungssitz zuerst in Guanajuato einrichtete, musste jedoch mit seinem Kabinett vor den anrückenden Truppen der Konservativen fliehen. In der Folgezeit musste er ständig den Regierungssitz wechseln. Die Flucht führte zunächst an die Pazifikküste. Es folgten Kuba und New Orleans, wo er um Unterstützung bat, bis er schließlich im Juli 1859 in Veracruz landete und von dort die Regierungsgeschäfte führte.
Reformgesetze von 1859
Zwischen 1859 und 1860 erließ Präsident Benito Juárez Reformgesetze, die „Las Leyes de Reforma“, die zu der sogenannten zweiten liberalen Reform gehörten und die eine radikale Trennung von Kirche und Staat vorsahen, sowie Religionsfreiheit, zivile Eheschließung und Nationalisierung aller Kirchengüter.
- Ley de nacionalización de los bienes eclesiásticos (12.Juli 1859) = Verstaatlichungsgesetz der kirchlichen Güter
- Ley de matrimonio civil (23.Juli 1859) = Gesetz über due Zivilehe
- Ley orgánica del Registro civil (28. Juli 1859) = Personenstandgesetz
- Decreto para la secularización de todos los cementerios y camposantos de la República (31. Juli 1859) = Dekret zur Säkularisierung aller Friedhöfe der Republik.
- La Ley que disminuyó las festividades religiosas (11.August 1859)= Einschränkug der durch die Kirche eingerichteten Feiertage.
- Ley sobre Libertad de Cultos (4. Dezember 1860) = Gesetz über die Religionsfreiheit
- Decreto de secularización de hospitales y establecimiento de beneficencia (2.Februar 1861)=Dekret zur Säkularisierung der Krankenhäuser und Wohlfahrtseinrichtungen
Schlacht von Calpulalpan
Am 22. Dezember 1860 fand in der Umgebung von San Miguel Calpulalpan im Estado de México die Schlacht von Calpulalpan (spanisch: Batalla de Calpulalpan) statt, die den Reformkrieg siegreich für die Liberalen beendete.
Gegen acht Uhr am Morgen des 22. Dezember 1860 wurden die Truppen der Liberalen von den Truppen der Konservativen angegriffen. Die Truppen der Liberalen bestanden aus 11.000 Männern mit 14 Artilleriegeschützen und standen unter dem Kommando von General Jesús González Ortega und seine Generale Ignacio Zaragoza, Leandro Valle, Nicolás de Régules und Francisco Alatorre. Die Truppen der Konservativen unter dem Kommando von General Miguel Miramón, zwischenzeitlich von den Konservativen zu ihrem Präsidenten ernannt, bestanden aus 8.000 Männern mit 30 Kanonen und den Generalen Leonardo Márquez, Francisco A. Vélez, Miguel Negrete und Marcelino Cobos. Nachdem die Truppen der Konservativen geschlagen wurden, floh Miguel Miramón zuerst nach Havanna (Kuba) und von dort nach Frankreich.
Am 1. Januar 1861 zog General González Ortega triumphal an der Spitze seines Heeres von 30.000 Soldaten in Mexiko-Stadt ein und verkündete den Sieg der Liberalen und das Ende des Reformkrieges. Zehn Tage später traf Benito Juárez in Mexiko-Stadt ein und wurde im Juni 1861 per Wahl zum Präsidenten der Republik ernannt.
Quellenverzeichnis
- Secretaría de la Defensa Nacional: 22 de diciembre de 1860 Batalla de Calpulalpan. [1]
- Sistema Internet de la Presidencia de México: Miguel Miramón [2]
- La Jornada: Imágenes de Benito Juárez [3]
- SEP, Historia Sexto grado, México, 1999, pág. 46.:Las Leyes de Reforma [4]
- INEHRM: Benito Juárez, visionario de un nuevo México [5]
- Das Religionsrecht in Mexiko von María C Medina González: ISBN-10: 3825891046
- Historia de mexico/ History of Mexico: 1 von Juan Jose Flores Rangel: ISBN-10: 9706861793

