Reisebericht: Baja California
Baja California
Name des Autors: Anna-Katharina Windler
Zeitraum: 09.03.- 09.04.2007
Ich bin ziemlich faul geworden, deswegen habe ich den Bericht vorerst leider leider nur in Deutsch, vielleicht reitet mich ja bald noch der fleißige Teufel und ich übersetze es ins Spanische. Also, bitte, bitte vergebt es mir, ja?
Mein Plan war ganz einfach….
Cabo San Lucas bis Tecate / Mexicali mit dem Rad
- 1.Routenplanung von zu Hause mit einer Karte 1:650 000, und mit Hilfe des Internets und auch teilweise mit Hilfe meiner Freunde in Mexico
- 2.Tägliches Abchecken wie gefährlich tatsächlich die Straßenkontrollen und die angeblich massiven Drogenbekämpfungen der Regierung sind (vorab hier schon mal: war alles bestens, nix passiert)
- 3.Fahrrad startklar machen und Ersatzteile (Werkzeug, Bremsbelege, Fahrraddecken, Schläuche, Kette, Speichen, ausreichend Flickzeug, etc....) besorgen, Probepacken der Radtaschen von Ortlieb
- 4.Ausrüstung checken, ob alles vorhanden und heile (z.B. faltbare Wassertanks von Ortlieb)
Was ich wichtig finde für so eine Reise?
- 1.Technisch einwandfreies Rad
- 2.Gute Vorbereitung, also gutes Training, gute Planung
- 3.Selbstvertrauen und Vertrauen in die Menschen, an das Gute
- 4.Gutes Kartenmaterial
- 5.Spanischkenntnisse... unbedingt!!
- 6.Seine eigenen Grenzen erkennen
Der Transport
2 Gepäckstücke kann man mitnehmen, à 23 kg. Meine 3 Packtaschen hatte ich als 1 zusammengeschnürt, 21 kg, 1 Tasche war Handgepäck, mein Fahrrad das 2. Gepäckstück, mit 23 kg. (Man braucht also rein gar nichts für das Rad zu bezahlen.)
Hier sei gesagt, daß das nicht mit jeder Airline geht, aber sehr wohl mit den europäischen wie KLM, BA, LH, AF und normalerweise auch mit deren Partnern. Ich fliege gewöhnlich mit KLM, also skyteam, und da läuft alles rund... wenn keine Verspätungen sind, den Tag waren welche und das Unglück nahm seinen Lauf. (Delta Airlines nimmt übrigens 100 Dollar für das Rad, worüber ich mich sehr geärgert habe, weil sie Partner sind im skyteam.)
Das Rad verpacke ich immer in einem Fahrradkarton, den man in jedem Radsportgeschäft bekommt, die Dinger, in denen die neuen Räder geliefert werden. Die Geschäfte freuen sich, weil sie ihn nicht zerreißen müssen, wenn man ihn mitnimmt. Ich habe den Karton dann einfach nach der Ankunft im Hotel stehen lassen. In Mexicali habe ich einen neuen geholt. Das geht perfekt.
Der Rest Improvisation!
Puerto Vallarta
10.03.2007
Gesternabend dachte ich noch, dass gar nichts mehr klappt.
In Amsterdam hiess es, dass mein Gepäck nicht durchkommt, da dachte ich schon, na toll, das fängt ja gut an.
Dann stand mein Gepäck doch in Puerto Vallarta, aber dafür war mein Rad kaputt. Die Zähne des großen Kettenblattes total abgehauen.... so ein Scheiss, also ehrlich.
Auf der Fahrt ins Hotel saß ich mit einem Heulkrampf im Taxi! Während das Taxi an der schönen Uferpromenade entlangfuhr, auf der an Wochenenden immer ein Haufen Menschen flaniert, reihte sich unser Auto mitten in der Nacht in die ewig lange Schlange der Autokorsos ein und der Fahrer guckte mich besorgt an. „Porque estas llorando? No te preopuces, todo estará bien!“
Wie konnte das passieren?? Ich hatte das Fahrrad doch vorbildlich in einen Fahrradkarton verpackt und sehr ordentlich verklebt. Eigentlich konnte nichts schief gehen, ich erklärte es mir nur mit der Verspätung in Amsterdam.
Ich war dann irgendwann nachts um halb 2 auf meinem Zimmer und völlig fertig, mit der Welt, mit den Nerven und mir…
Ich hatte die ganze Reise auf mein geliebtes Mountainbike aufgebaut (einschließlich meiner Packtaschen, die ich ohne Rad schlecht benutzen kann).
Nun denn, es war passiert. Ich habe schnell rausgefunden, dass es ein paar Leute gibt, die sich in Puerto Vallarta mit Rädern auskennen, nicht viele, aber zur Not reicht ja ein einziger. Ich machte mich also auf die Suche nach diesem Techniker und seinem Radgeschäft. Nun, ein richtiges Geschäft darf man vielleicht nicht erwarten (es standen ca. 20 ziemlich gebrauchte Mountainbikes im Laden, der ansonsten nichts anzubieten hatte), aber dafür habe ich ein kleines Wunder erlebt.
Er hat mir mein Rad für 250 lächerliche Pesos (etwa durch 13) wieder flott gemacht und das in einem Land, was kaum Ersatzteile hat!! Wenn das kein Wunder ist!
Der Techniker wollte fortan auf dem Laufenden gehalten werden, wie meine Reise verläuft. Er hat die Tour nämlich auch schon gemacht, aber nicht alleine!
Ich kam aus dem Geschäft und wurde draussen von einem Iren und einem Holländer fast umgelaufen. Ergebnis: Ich habe den gleichen Nachmittag mal eben einen spontanen Segeltörn mit den beiden und deren Frauen gemacht.... Das war nicht so eingeplant, aber nicht weniger interessant.
Puerto Vallarta
11.03.2007
Puerto Vallarta ist ein Traum, ehrlich!! Das Wetter sowieso, die Leute - wie immer - auch, aber das Stadtbild ist echt genial.
Die direkte Lage am Meer mit der Promenade, dem alten und schönen Zentrum, viele Straßen mit Kopfsteinpflaster, „wilde“ weil mexikanisch gewachsene Bauten *lach* (wenn Geld da ist, dann wird an-auf-rangebaut), super nette und hilfsbereite Menschen (verzeiht mir, wenn ich mich hier dauernd wiederhole), die vielen kleinen netten Läden, in denen man wunderbar einkaufen kann, die tollen Restaurants… all das macht Puerto Vallarta sehr sehr liebenswert. Ach ja, und das milde Klima natürlich auch.
Das denken auch viele Touristen, von denen es hier leider auch viele gibt... aber das muss wohl so sein. Ist ja auch irgendwie gut für die Mexikaner.
es gibt viele amerikanische Touristen, die alle anscheinend sehr gerne Margaritas trinken... ich wurde sogar von einer Frau angesprochen, die auf dem Weg auf einen Berg war, nur weil sie gehört hatte, dass es dort oben gute Margaritas zu trinken gibt. Gibt es so was? Sonst bewegen sie sich nicht gerne und plötzlich krakseln sie freiwillig die Berge hinauf??
Samstag Nachmittag
Ich habe mir in einem super kleinen Laden neben einem Handy-Geschäft eine Busfahrkarte gekauft - ich fahre Sonntag mit dem Nachtbus nach Mazatlán, denn nur von dort gehen die Fähren ab, sagt man hier. Also starte ich meine Radtour wohl voraussichtlich erst Mittwoch. Es lohnt sich aber auf jeden Fall 1 Tag länger hierzubleiben, denn die Stadt ist wirklich toll.
Danach bin ich wieder ins Hotel gegangen, denn ich wurde doch noch schnell müde, die ganze Aufregung denke ich. Übrigens habe ich hier auch das gleiche Phänomen wie in ganz Mexico bis jetzt, ich verlaufe mich nicht. Das frag’ mich mal in Deutschland, da verlaufe ich mich ja sogar noch manchmal in meiner Stadt Hannover. *grins*
Samstagabend und ich bin hundemüde... wo soll das noch hinführen? tsts Na, den nächsten Tag gibt es ja auch noch eine Menge zu sehen.
Puerto Vallarta - Pichilingue
12.03.2007
Um 19 Uhr , also 2 Stunden vor Abfahrt des Busses nach Mazatlán, habe ich erfahren, dass für 1 Woche keine Schiffe dort abfahren... was also sollte ich dann da? Mmmh.
Ich bin also noch ganz schnell ins Bus-Büro gelaufen und habe umgebucht, auf Los Mochis, was noch mal 5 Stunden weiter nördlich liegt. Von dort sollten dann aber die Schiffe ganz sicher fahren, genau genommen von Topolabampo. Wochen später habe ich übrigens Leute getroffen, denen genau das gleiche gesagt wurde, auch sie mussten von Los Mochis aus starten… *grins*
Abends um 21:10 fuhr der Bus ab!
13.03.2007 Puerto Vallarta - Pichilingue
Um 6 morgens war ich in Mazatlán, um 9 in Coliacan und um 12:30 dann endlich in Los Mochis. Für 580 Pesos die Busfahrkarte, plus 200 extra für mein Rad.
Los Mochis wirkte auf den 1. Blick nur staubig und weniger attraktiv, ich habe aber gehört, dass es dort sehr schön sein soll.
Ein Taxi brachte mich für 150 Pesos zum Hafen, nach Topolabampo, ca. 20 km weiter raus. Dort erfuhr ich, dass die Fähre erst nachts um 12 ging. Ich kaufte das Ticket für die Nachtfähre, 830 Pesos ich, 150 mein Rad.
Es war aber immer noch sehr früh! Was sollte ich denn da bloß machen? Es gab dort nicht wirklich viel zu sehen.
Ich bin ins einzige Hotel mit dem Namen Marina gegangen und habe dort erst mal richtig gut gegessen. Nebenbei habe ich gefragt, ob ich den Pool benutzen dürfte. Durfte ich! Sind ja nette Mexikaner. *freu*
Ich habe mich am Pool etwas auf der Liege ausgeruht, mein Rad reisefertig gemacht, mich sogar draussen an der Pooldusche geduscht, Zähne geputzt und umgezogen, damit ich das auf dem Schiff nicht mehr machen musste.
Vorm Dunkelwerden bin ich dann zum Anleger, dort warteten schon eine Menge Leute. Es ging drunter und drüber und so richtig Bescheid wusste eigentlich niemand, aber das kenne ich ja schon. *grins* Und trotzdem klappt doch immer irgendwie alles...
Um 10 durfte ich dann mit Sack und Pack komplett durchgehen. Ich bekam einen extra Raum für mein Rad, "Staff only" stand drauf und los ging's. Die Fahrt war ruhig, und ich habe es mir so gut es ging auf 3 Sitzen bequem gemacht. Naja, ein Bett ist doch bequemer.
Pichilingue – Todos Santos / 102 km
14.03.2007
Morgens um 7:30 haben wir in Pichilingue angelegt, und gegen 8 war ich dann so weit, dass ich losfahren konnte.
Gleich am Anfang der Strasse konnte ich die obligatorischen Kakteen bewundern und ich merkte, dass ich sofort Hunger bekam!! Hahaha, ich liebe Nopales! Also wollte ich so schnell wie möglich nach La Paz, um dort etwas Richtiges zu essen und in aller Ruhe.
Um 9 war ich in La Paz. Eine niedliche Stadt direkt am Meer. Etwas touristisch ist es auch und man munkelt, dass hier viele nur zum Drogenkonsum herkommen.
Ich bin dann aber ziemlich bald nach dem Frühstück weiter gefahren Richtung Süden, nach Todos Santos. Es war noch früh am Tag und ich war sowieso schon durchgeschwitzt. Ich hatte mir sowieso vorgenommen, auf dem Rückweg einen Stopp zu machen, um die Stadt zu erkunden.
Die Sonne war ziemlich intensiv und es fühlte sich noch um einiges wärmer an, als es eigentlich war.
Die Strasse ist schmal und der Verkehr enorm, ich fahre fast ausschließlich Mittelstreifen, weil ich sonst trotz Gegenverkehrs überholt werde und ich dann keinen Platz habe, auszuweichen. Nach 30 km ist die Strasse dann aber ruhiger und es fahren viel weniger Autos. Trotzdem muss ich dauernd aufpassen.
Die Landschaft ist toll, viele Kakteen, viel Staub, viel Gegend *lach*, viel Nichts. Genau das, was ich im Moment brauche. Die Wüste lebt und riecht gigantisch, einfach toll.
Mein Rad ist okay, worüber ich sehr froh bin, denn ich bin scheinbar doch sehr empfindlich, wenn es um mein Rad geht.
Ich kam um 5 nachmittags in Todos Santos an, nach 102 km. Aufgrund der Tatsache, dass ich ziemlich müde war (habe ich abends beim Essen gemerkt, als ich beinahe mit dem Kopf in die Suppe gefallen bin), bin ich ganz gut voran gekommen.
Ach ja, ich spare mir, die Straßen zu benennen, denn so viele gibt es nicht! genau genommen, immer nur die, auf der ich fahre.
Todos Santos
15.03.2007
Klima: ca. 30’C
Heute habe ich einen Tag Pause eingelegt. Wäsche waschen, Rad durchchecken, Telefon ist kaputt gegangen und ich habe ein neues gekauft, etc. Ausserdem war ich nach 2 Nächten nicht richtig schlafen wirklich müde.
Todos Santos ist ein kleines, ruhiges Städtchen mit viel Charme, sauberen Straßen und die Leute sind sehr lieb und helfen sofort.
Ich habe das kleine Motel Guluarte gefunden für 300 Pesos die Nacht, es ist sauber und sicher. Was will man mehr?
Morgen geht es dann wieder auf die Strasse und ich möchte früh losfahren, damit ich nicht wieder in die Tageshitze komme. Aber vielleicht läuft es ja morgen ausgeschlafen etwas bes-ser.
Todos Santos – Cabo San Lucas / 80 km
16.03.2007
Klima: ca. 35’C
Start: 06:30 Ankunft. 13:00
Ein total verrückter Tag war das. Bis 9 Uhr bin ich im dicken Nebel gefahren, ich war pitschnaß und das Wasser tropfte von meinen Sachen. Ich bin 2 Mal von der Straße gedrängt worden und gestürzt, weil ich nicht aufgepasst habe und zu weit rechts außen gefahren bin. Selber Schuld. Ist zum Glück nichts passiert, aber ich stellte mir die Frage, ob es den Rest der Strecke so weitergehen würde.
Abseits der Straßen sah ich viele Flächenbrände, aber nicht direkt von der Straße zu erreichen. Ich sah auch viele Soldaten! Bestand da ein Zusammenhang? Es könnte sein, aber ich wusste es nicht.
Als ich auch noch den gefürchteten Hungerast bekam (passiert nur bei sehr dummen Radfahrern, die nicht früh genug ausreichend essen – wieder selbst Schuld), beschloß ich, in Cabo San Lucas zu bleiben.
War es wirklich nur der Hungerast und die beiden Stürze oder fehlte mir der nötige Biss, die Reise durchzuziehen?
Bin ich für so etwas zu alt geworden?
Diese Fragen, und noch ein paar mehr - keinesfalls druckreife - schwirrten in meinem Kopf herum.
Etwas frustriert schaute ich mir Cabo an. Mmmh. Mit einem Satz: Gefällt mir nicht. Zu viele verrückte Touristen (daher auch der spielerische Beiname Cabo Son Locos), selbst das Zentrum erscheint mir zu unsicher, angeblich steckt die Stadt randvoll mit Drogen und nachts alleine zu Fuß rausgehen, sei keine gute Idee, sagte man mir.
Es gibt einen recht schönen Hafen, in dem all die Reichen und Schönen vermutlich ihre Jachten liegen haben… Bilder von Monaco kamen mir hier in den Sinn.
Das Hotel Oasis für 380 Pesos kann ich sehr empfehlen, es ist sehr sauber und hier schlafen fast ausschließlich Mexikaner. Bezeichnend, oder? Mexico soll doch so dreckig sein (sagen die Gringos), dabei sind die preismäßig vergleichbaren Hotels, in denen die Touristen schlafen, richtige Dreckschleudern.
Cabo San Lucas - La Paz
17.03.2007
Mir wurde gesagt, daß die Strecke nach San José del Cabo sehr gefährlich sein soll. Ich wollte es glauben und glaubte es dann letzten Endes einfach auch.
Wieder kreisten Fragen in meinem Kopf: Fehlt mir der nötige Biss, die Reise durchzuziehen? Bin ich für so etwas zu alt geworden?
Aber schließlich, ich war hier schon am südlichsten Zipfel von Baja California und ich wollte 1 Mal Süd-Nord fahren. Eine gute Ausrede, ging es mir durch den Kopf und ich schalt mich selber.Ich kaufte ein Busticket nach La Paz. Um 9 morgens war Abfahrt und um 12 mittags war ich dann in La Paz.
Ich entschied mich, ein etwas günstigeres Hotel zu nehmen und landete in der bei Rucksacktouristen sehr beliebten Pension California für 160 Pesos.
Nun ja… wie oben schon erwähnt. Hier schläft kein Mexikaner. *lach* Ich schlafe folglich die 2 weiteren Nächte mit Moskitonetz, denn ich stehe nicht auf unliebsame Haustiere auf meinem Kopfkissen.
Ich buche eine völlig überteuerte ballenas-tour für 1200 Pesos, weil ich Angst hatte, ich würde es nicht mehr zeitig nach Guerrero Negro machen, um dort all die Wale zu sehen, die sich dort um diese Jahreszeit mit ihren Babys tümmeln, um dann etwas später wieder in kältere und unsichere Gewässer zu verschwinden. Sicher ist sicher und Sicherheit kostet Geld; das kennen wir Deutschen ja. Also buchte ich diese Tour.
La Paz – Adolfo Lopez Mateos – La Paz
18.03.2007
Pünktlich um halb 7 morgens stand der Führer Manuel da und wartet vor der Tür auf mich. Wir holten noch eine 5 köpfige mexikanische Familie ab und los ging’s. Um 9 waren wir in Las Pocitas, Frühstück, war inclusive.
Um 11 waren wir im Boot und wir waren etwa 2 Stunden auf dem Wasser. Wir sahen ca. 20-30 Wale, die aber nicht sehr nahe ans Boot herankamen. (aber man gut, dass ich die Fotos gemacht habe – dazu komme ich später)
Es war schön, aber es hat mich nicht so sehr vom Hocker gerissen, wie ich mir gewünscht hatte. Abends um 20 Uhr war ich wieder im Hotel.
La Paz – Las Pocitas / 111 km
19.03.2007
Klima: ca. 30’C
Start: 06:20 Ankunft. 16:20
Morgens war es sehr kühl. Bei km 20 eine Straßenkontrolle. Alles bestens, bin lachend durchgewunken worden.
Die Landschaft ist so wie eine Wüste eben aussieht, viel Nichts, Sand und ein paar Kakteen. Es ist doch hügeliger als ich mir das vorgestellt hatte, und ich kämpfe mich mit ca. 40 kg (Taschen und Rad) die Berge hoch.
Bei km 30 eine kleine Pause und ein Gespräch mit einem Polizisten aus La Paz. Er war unerwartet nett, trotzdem machte ich mich dann doch lieber wieder schnell vom Acker. Noch gibt es vereinzelte kleine Läden, in denen ich mich mit Essen und Trinken versorgen konnte.
Bei km 71 lag ein Felsbrocken auf der Straße und ein paar Straßenarbeiter waren damit beschäftigt, ihn beiseite zu schaffen.
Ich hatte mir schnell zur Gewohnheit gemacht, dass ich mit jedem sprach, dem ich unmotorisiert auf der Straße begegnete. Das konnte ich mir erlauben, denn so viele Menschen laufen in der Wüste nicht herum. Ich fragte immer nach der Beschaffenheit der Straße, dem Streckenprofil, nach dem nächsten Shop und ob es sicher ist. Auch die Straßenarbeiter fragte ich, wo denn der nächste Laden sei.
„Oooh, todavia esta muy lejos!“ bekam ich zu hören. Okay, es waren sehr subjektive weite 30 km, für mich also völlig okay. Was ich denn da wollte, wurde ich gefragt.
„Tengo un poco hambre!“ sagte ich.
“Tengo burritos!”, sagte der eine und ein anderer: „Tengo 2 tortas! Quieres comerlas?“ und hielt mir seine tortas unter die Nase.
Okay, warum nicht? Ich stand fast eine Stunde am Straßenrand in der Kurve, unterhielt mich nett mit ihnen, aß burritos und tortas und bekam auch noch etwas Kaltes zu trinken. Von Menschen, von denen ich es am wenigsten erwartet hätte, und die ganz bestimmt viel weniger als ich besitzen.
Einer der Männer guckte mich sehr kritisch an und fragte mich dann, ob ich sicher sei, dass die Autos mich sehen würden. (Ich trug ein magentafarbenes Trikot und nahm das einfach mal an)
Ich nickte und wollte schon weiterfahren. Er rief mir hinterher und hielt mir seine Sicherheitsweste hin. Die sollte ich mitnehmen, dann würde er sich besser fühlen. Ist das süß oder süß? Mann, ich war total platt.
Diese Weste habe ich dann bis zum letzten Tag getragen, schon aus dem Grund, weil sie ein Geschenk ist und so eine liebe Erinnerung daran haftet!
Bei km 85 – mitten in der Wüste und völlig allein – ein total nettes Gespräch mit einem LKW-Fahrer. Die LKWs sind übrigens gar kein Problem, sie freuen sich alle halb scheckig, wenn sie mich sehen.
Mittagspause machte ich gemeinsam mit einer ganzen Arbeiterkolonne, ca. 50 Mann, die die halbe Straße aufgerissen hatten und mächtig am Schuften waren. Alle waren äußerst nett, respektvoll und angenehm. (ich weiß, ich wiederhole mich hier)
Ohne es zu wollen war ich wohl so etwas wie eine kleine Attraktion in diesem Dorf, denn alle interessierten sich für mich und mein Rad.
Die LKWs sind jetzt alle freundlich und grüssen überschwänglich, der Straßenverkehr wird immer besser und ruhiger. Überall spielt Latinomucke und ich musste doch das ein oder andere Mal an meine Mambo-Bar in Deutschland und ans Salsatanzen denken.
Nach etwa 50 Hügeln und Bergen, einem toten „Leon“ neben der Straße (angeblich war das ein Puma, für mich sah die Katze aber eher aus wie ein Luchs) und zum Glück weit ruhigeren Straßen, kam ich dann doch etwas kaputt in Las Pocitas an. Problem dort: Keine offizielle Unterkunft.
Ich klopfte an die Tür des 1. Ladens. Eine Frau in den mittleren Jahren besaß diesen tienda und ich fragte sie, ob ich eventuell irgendwo in ihrer Nähe schlafen könnte.
Ich hatte schon in Deutschland beschlossen, kein Zelt mitzunehmen. Ich dachte, daß es vielleicht nicht so eine gute Idee sei, als Frau alleine mitten in der Wüste zu schlafen, deswegen habe ich die manchmal sehr langen Tage in Kauf genommen. Außerdem war das zusätzliche Gewicht lästig und ich wollte lieber, anstelle des Zeltes, Wasser oder Essen transportieren.
Natürlich konnte ich dort schlafen! Sie meinte, dass noch Platz im Haus ihrer Tochter sei, und sie ganz sicher nichts dagegen hätte. Ich sollte schon mal ins Haus gehen und duschen, denn später würde es kein Licht mehr geben. Strom gab es in diesen Dörfern nicht, alles lief über Generatoren, die nur den notwendigsten Strom liefern und um 11 war Zapfenstreich. Kein Strom, auch kein fließend Wasser und schon erst recht kein warmes. Auch wenn es tagsüber warm war, so war es nachts doch kalt und eine warme Dusche wäre schön gewesen. Ich duschte kalt und schnell.
Ich bekam Essen und Trinken und wir unterhielten uns sehr sehr nett. Rechnung? Fehlanzeige. Ich durfte nichts bezahlen, aber ich schlief wieder mit Moskitonetz, denn das Fenster und noch so einige andere Sachen, waren nicht dicht.
Las Pocitas – Cd. Constitución / 101 km
20.03.2007
Klima: ca. 35’C
Start: 06:40 Ankunft. 15:20
Erst bin ich sehr gut vorangekommen, aber dann kam später der Nebel und der Wind, nur von vorne selbstverständlich. Später kam noch eine Baustelle, bei der ich 25 km offroad fahren musste. Puuuh, danach hat meine Kette ganz schön gequietscht.
Die Straße geht hier 100 km nur geradeaus, die Landschaft wird trockener und staubiger, wenn das noch geht.
Dann bin ich in Santa Rita von dem Mexikaner Nico aufs Kräftigste angebaggert worden, weil er meinte, dass es nicht gut sei, dass ich alleine unterwegs bin. Das ginge doch nun wirklich nicht, meinte er.... *lach*
Cd. Constitución ist eine mittelgroße, staubige Durchgangs-Stadt, in der es so ziemlich alles zu kaufen gibt, vor allem Weintrauben. Die Stadt hat auch ausreichend Internetcafes. Das Hotel Oasis für 360 Pesos kann ich sehr empfehlen.
Cd. Constitución – Loreto / 150 km
21.03.2007
Klima: ca. 35’C
Start: 04:30 Ankunft. 16:00
Heute hatte ich einen sehr langen Tag. Bin schon lange vor Sonnenaufgang los, so gegen halb 5, bin 1,5 Stunden im Dunkeln und in der Kälte gefahren. Verrückt, aber es hat sich ausgezahlt, denn ich war um 4 in Loreto, jetzt sitze ich schon im Internetcafe. Es ist mir lieber morgens als abends im Dunkeln zu fahren... weil man dann weiß, dass es noch hell wird. Irgendwie für die Psyche besser. Mmmh.
Ich bringe es aber mal auf den Punkt, es war kein gutes Fahren heute. Der Nebel ging den ganzen Tag nicht weg, erst als ich das Meer sah. Ich war tropfnaß. Bilder? Fehlanzeige, weil zu dunkel. Die Autos konnten mich teilweise auf der kurvigen Straße nicht sehen, viel bergrauf und wieder -runter. Kaum Läden, und wenn dann nur sehr sehr einfache, in denen ich nur eher spärlich essen konnte. Den 1.Blick aufs Meer erhaschte ich kurz vor Loreto und dann war ich auch schon fast da.
Loreto selber gefällt mir sehr gut, ein hübsches Städtchen direkt am Meer, mit einem alten Stadtzentrum, in dem man gut essen kann. An der Promenade habe ich sehr gut eine ganze Menge Pelikane beobachten können. Das Zentrum ist alt und schön und auf jeden Fall einen Besuch wert.
Das Motel El Dorado ist zwar recht teuer mit 450 Pesos, dafür aber wirklich sehr gut. Irgendwie habe ich auf die Schnelle nichts Besseres und Günstigeres gefunden.
Loreto – Playa Buenaventura / 96 km
22.03.2007
Klima: ca. 30’C
Start: 06:30 Ankunft. 14:00
Mit dem Sonnenaufgang bin ich langsam los. Es hatte die ganze Nacht kräftig gepfiffen und ich hatte Sorge, ob der Wind mich heute umbringen würde.
Bei km 20 eine Straßenkontrolle. Alles klar, sie waren nett und ich konnte so weiterfahren. Erst war es relativ flach, dann ging es in die Berge, atemberaubende Blicke folgten, ich musste dauernd Fotostopps machen. Bei km 80 wieder Blick aufs Meer! Bahía Concepción. Toll!! Ein bisschen „Great Ocean Road“ (wie im Süden Australiens) lag vor mir. Der Wahnsinn schlechthin. Dieser Tag ein absolutes Highlight, den ich nicht vergessen werde. Tolles Rad-fahren, tolle Straßen, nette Leute, super Landschaft und grandiose Blicke! Wow!
Das Hotel war etwas teuer, mit 400 Pesos, dafür aber neu, ruhig und direkt am Meer. Einen Namen gab es noch nicht.
Die versprochenen Delphine habe ich nicht gesehen, weil ich auch nicht kajaken konnte. Es war zu windig, denn der Wind hatte sich gedreht – hatte ich ein Glück.
Ich hatte ein bisschen getrödelt durch den frühen Stopp und so wusste ich, dass ich jetzt wieder etwas aufholen musste.
Playa Buenaventura – San Ignacio / 181 km
23.03.2007
Klima: ca. 30’C
Start: 04:30 Ankunft. 17:30
Ich bin lange vor Sonnenaufgang los. Der Küstenstreifen sei sowieso nicht mehr so interessant, war mir gesagt geworden, ich konnte es also gut auch im Dunkeln fahren. Deswegen habe ich bis Mulegé nicht viel gesehen. Viele schwärmen von Mulegé, aber ich fand es nicht so schön. Ich habe nur schnell ein 2. Frühstück gegessen und bin dann weiter. Kurz danach habe ich den Amerikaner Scott getroffen, der mit seinem Rad nach Guatemala unterwegs war. Übrigens der einzige Radfahrer, den ich auf der ganzen Strecke gesehen habe.
Santa Rosalia gefiel mir sehr gut, eine kleine süße Stadt mit hübschen Häuschen, direkt am Meer gelegen und einem Park im Zentrum. Die Kinder feierten den Beginn des Frühlings mit farbenprächtigen und witzigen Kostümen.
Aber auch hier blieb ich nicht, da es noch recht früh am Tage war. Ich wollte bis San Ignacio fahren. Schon direkt nach Ortsausgang bereute ich die Entscheidung, denn es ging sehr steil bergauf!! Zweimal musste ich schieben, weil es mir mit dem Gepäck zu steil und gefährlich war.
Auf halber Strecke war ein Militär -Camp, was ziemlich einsam lag.
Es ist häufig schon sehr anstrengend und ich denke auch, dass es das letzte Mal war, dass ich so etwas mache. Ich werde einfach zu alt für so was und vor allem alleine ist das irgendwie auch nicht so toll. Es macht Spass, ja, aber manchmal wünsche ich mich doch schon in den Bus und das ist ein merkwürdiges Zeichen. Tja, das Alter.... wir werden alle älter. Und so einen Partner zu finden, der das mitmacht, ist wohl zu viel verlangt.
Völlig fertig kam ich dann kurz vor Sonnenuntergang in San Ignacio an. Hier gab es nicht viel, außer Staub, und ich bereute es noch einmal, nicht in Santa Rosalia geblieben zu sein.
Auch hier gab es kein Hotel oder ähnliches, ich schlief auf der Veranda eines älteren Ehepaares. Essen und Trinken bekam ich, die Rechnung wieder nicht.
San Ignacio - Guerrero Negro / 133 km
24.03.2007
Klima: ca. 20’C
Start: 04:00 Ankunft. 14:00
Ich bin wieder mal lange vorn Hellwerden losgefahren. Heute war die Landschaft eher uninteressant. Die letzten 30 km nach Guerrero Negro waren die absolut uninteressantesten der ganzen Strecke. Nichts, kein Strauch, kein Kaktus, dafür flach, viel viel Wind von vorne und eine nicht enden wollende Straße. Eine feuerrot-rosa gescheckte Schlange lag platt gefahren und offensichtlich tot auf der Straße.
Nachmittags habe ich noch eine ballenas-tour von meinem Hotel aus gebucht, für 520 Pesos, genau die Tour, die ich ursprünglich nur hatte machen wollen.
Guerrero Negro könnte in jedem Western Pate stehen. Überall Staub, manchmal sieht man auch Pferde, die vor den Häusern angebunden sind.
Außer ballenas gibt es hier nicht viel zu unternehmen oder zu sehen.
Mein Hotel heißt bezeichnenderweise Motel ballenas, für 230 Pesos. Kann ich empfehlen, gute Zimmer und netter Besitzer.
Internet -Cafes sind eher Mangelware, nach langem Suchen habe ich dann eins gefunden, bei dem ich auch wirklich ins Internet kam.... nicht selbstverständlich, manchmal sind die cybers auch nur Spielbuden für die Jugendlichen. *grins*
Guerrero Negro
25.03.2007
Um 8 Uhr war Abfahrt vor meiner Hotelzimmertür. Wir fuhren los und holten noch 6 mexikanische Nonnen (ja, ehrlich!) aus ihrer Unterkunft ab. Kloster oder Kirche konnte ich das nennen, es sah eher wie eine Schule aus.
38 km Offroad in die Laguna Ojo de Liebre, hier war das Meer geschützt, und ganz so warm war es auch nicht mehr. Es war bewölkt und ziemlich windig auf dem Wasser. Wieder wurde alles auf Spanisch erklärt, ich verstand nicht die ganzen 100%, aber doch eine ganze Menge.
Schon bald sahen wir erste Wale, sie kamen direkt ans Boot, tauchten auf und wieder unter, ein paar Mal sprangen sie direkt neben unserem kleinen Boot aus dem Wasser. Das war toll und ziemlich beeindruckend, denn die Tiere waren ganz locker 3 Mal so groß wie das Boot. Ein Wal kam direkt ans Boot, so nah, dass ich ihn streicheln konnte, was er auch mochte.
Auf meine Kamera musste ich gewaltig aufpassen, damit sie von dem ganzen Gerangel und Gespiele im Wasser nicht naß wurde.
Dann kamen auch noch ein paar Delphine, die wie wild im Wasser herumhüpften. Sie kamen jedoch nicht nah genug ans Boot, als dass wir sie richtig hätten sehen oder fotografieren können. Als wir zurückfuhren, begleiteten sie uns noch eine Weile und sprangen immer wieder neben dem Boot her. Ein tolles Erlebnis, ich hätte mir die Tour von La Paz aus wirklich sparen können und sollen.
Um 12:30 war ich wieder in meinem Zimmer, voller, neuer Eindrücke und einem ganzen Batzen Fotos in meiner Kamera.
Guerrero Negro – Punta Prieta / 120 km
26.03.2007
Zeitumstellung: BCN (Baja California Norte) – Zeit plus 1 Stunde
Klima: ca. 20’C
Start: 05:00 (BCN-Zeit ) Ankunft. 15:00 (BCN-Zeit)
Landschaft noch flacher und morgens war es extrem kalt bis ca. 11 Uhr. Ich trug lange Beinlinge, mein Windlatz unter der langen Windjacke, lange Handschuhe und meine Überschuhe. Und trotzdem war mir nur mittelmäßig warm bei Bewegung. Bei km 62 Militär. Erst kam ein ziemlich steiler, verdeckter Berg, dahinter hatten sie sich versteckt. Wieder war auch dieser Posten sehr nett und sie wollten Fotos mit mir machen.
Dann etwa bei Hälfte der Strecke kamen mir 4 Amerikaner mit ihrem Camper entgegen und winkten wie wild. Ich dachte mir nichts dabei und winkte artig zurück.
Ich machte gerade eine Fotopause, bei einem besonders schönen Tal, als ich hinter mir ein Motorrad hörte. Die beiden sahen nicht aus, als wenn sie länger unterwegs waren, denn sie trugen kein Helm und hatten keine Taschen.
Dann sah ich noch einen Mann hinterher kommen mit einem Mountainbike, etwas später noch einen. Das waren die 4 Amerikaner, denen ich zugewunken hatte, als sie mir entgegen gekommen waren. Sie waren angehalten, hatten das Motorrad und die 2 Räder rausgeholt und sind mir hinterher gefahren. Sie wollten von mir wissen, wie ich das mache, so ganz alleine mit dem Rad und bis wohin ich fahren würde…. Eben alles.
Etwas später stand ein riesiger Camper am Straßenrand und wartete auf mich, das Päärchen war aus Vancouver, Canada. Sie machten ein Foto von mir und wollten es ihrer Tochter zeigen, damit die sieht, dass es doch „verrückte“ Frauen gibt, die so etwas machen.
Punta Prieta hat ein Problem. Es gibt nicht viel dort und schon erst recht keine Unterkunft. Das gleiche Spielchen, ich klopfte an eine Tür und fragte. Klar konnte ich wieder! Erst sollte ich hinterm Haus schlafen und ich hatte mir schon einen Platz ausgesucht, zwischen den Hunden.
Dann kam ihre Tochter an und meinte, dass ich in dem ausgedienten Camper-Bus schlafen könnte, der etwa 1000 Jahre alt ist und ebenso lange nicht mehr bewegt wurde. Auch hier schlief ich wieder mit Moskitonetz! Und auch hier bekam ich wieder alles von den Leuten, nur keine Rechnung.
Punta Prieta – Cataviña / 124 km
27.03.2007
Klima: ca. 20’C
Start: 05:30 Ankunft. 18:00
Lange vor Sonnenaufgang war ich auf, um alle meine Sachen wieder zusammenzuräumen. Um 5 war ich startbereit, aber es war alles abgeschlossen und kein Mensch in Sicht, der mir das Tor aufschließen könnte. Nach einer halben Stunde kam dann die Mutter und schloß auf. Uff. Ich hatte schon befürchtet, länger warten zu müssen.
Von Anfang an lief der Tag nicht rund, es ging stetig bergauf, nicht steil, aber spürbar, es war kalt, schon Gegenwind, aber nicht so schlimm. Bei Chapale wurde es richtig schlimm und auch gefährlich. Mehrmals stieg ich ab und schob, weil die Straße sehr schmal war, viele LKWs unterwegs waren und der Wind heftig von der Seite kam und drohte, mich umzuschmeißen, zumindest aber wegzudrücken.
Hier war viel mehr Straßenverkehr und es ging heftig rauf und runter. Landschaft eher trocken, kahl und kluftig, erst kurz vor Cataviña wurde es wieder schön und interessant, aber noch windiger. Es sah nach einem Sandsturm aus.
Die Leute sagen, dass es im Sommer hier nicht auszuhalten ist und hier die heißeste Stelle von Baja sei. Das will ich gerne glauben, denn Schutz gab es hier nicht. Offensichtlich hatte ein Koyote auch vergeblich Schutz gesucht, er lag tot am Straßenrand.
Kurz vor Cataviña ist noch der Rest eines Kontrollpostens zu sehen. Warum der nicht mehr da ist, weiß ich nicht. Soldaten waren keine zu sehen.
Cataviña gefiel mir nicht besonders, die Malereien habe ich auch nicht gefunden. Allerdings hatte ich auch nicht viel Zeit, die noch zu suchen.
Es war ein sch… harter Tag!! Manchmal ist es doch nicht schön, alleine zu fahren und man fragt sich, warum man das überhaupt macht.
Hotel Cabaña ist mit 350 Pesos recht teuer, aber das günstigste im Ort.
Cataviña – El Rosario / 120 km
28.03.2007
Klima: ca. 20’C
Start: 06:00 Ankunft. 16:00
Ich habe tatsächlich bis halb 6 geschlafen, obwohl ich den Abend zuvor schon um 19 Uhr geschlafen hatte. Schön ruhig war es in der Nacht, nur der Wind pfiff um die Häuser, dass mir ganz mulmig wurde, was mich den nächsten Tag erwarten würde. Ich hatte Befürchtungen, dass ich mich einfach auf einen Truck setzen würde… der Tag zuvor war wirklich verdammt hart gewesen.
Morgens dann allerdings kein Wind!! Um Cataviña ist es wirklich schön, danach kam aber mucho nada. Bis km 50 nur flach, danach fast nur noch bergauf. Ab km 70 extrem starker, gefährlicher Wind von vorne, die letzten 20 km waren alles andere als lustig. Der 3. Tag, den ich vergessen wollte.
Auf einem steilen, sehr kurvenreichen Stück ist einem Camper direkt neben mir der hintere Reifen geplatzt und direkt auf mich zugerollt, ganz schön groß diese Dinger, wenn man sie aus der Nähe sieht – vor allem wenn sie qualmen und zischen. Kurz danach platzte auch der zweite. Bei dem Camper waren nachher auch die Felgen völlig fertig, total hin und der Fahrer blieb stehen – da stand er sicherlich auch noch eine ganze Weile, bis er Hilfe bekam.
Es war ein total harter Tag, und das hatte ich ausschließlich dem Wind zu verdanken, sonst wäre es vermutlich noch ein langweiliger Tag geworden.
Hotel Baja’s Rest für 400 Pesos, inclusive Frühstück, die Leute total nett und lieb. Es ist eher eine private Unterkunft. Auf meinem Bett war ein Mount-Everest-hoher Berg an Kissen und in der Mitte thronte ein riesiges, pinkfarbenes „Das letzte Einhorn“-Plüschtier.
El Rosario – San Quintín / 68 km
29.03.2007
Klima: ca. 25’C
Start: 06:30 Ankunft. 12:00
Nach einer wahrhaft himmlischen Nacht mit dem Einhorn, habe ich 1 Torta zum Mitnehmen eingepackt und bin losgezogen. 8 km streng berghoch und oben keine tolle Sicht, sondern nur viel nichts. Etwas weiter unten war wieder eine Straßenkontrolle. Wieder wollten sie Fotos machen und mit mir reden. Danach ging es fast nur noch bergab bis ich wieder das Meer sah!
Danach war es leicht hügelig (rolling hills) bis San Quintín.
Die Straßen sind im Norden zwar etwas breiter, dafür aber in schlechterem Zustand. Ich weiß nicht, was ich besser finden soll, denn der Verkehr wird hier oben auch wieder mehr.
Motel Uruapa: 200 Pesos, absolut zu empfehlen.
San Quintín
30.03.2007
Heute hat mich ein Freund aus Mexicali besucht und wir verbringen ihn mit Reden und Tacos essen. Er schaute sich noch meine Walfotos an und war begeistert, auch all die anderen Fotos mit den Soldaten fand er super.
San Quintín – San Vicente / 101 km
31.03.2007
Dia del Taco
Klima: ca. 30’C
Start: 06:30 Ankunft. 15:30
Die ersten 50 km konnte ich glücklicherweise neben der Straße fahren, weil es einen Seitenstreifen gab. Kurz vor San Vicente wurde der Verkehr auch wieder mehr und viel schneller. Ich hatte keine richtige Lust mehr zu fahren, weil ich da schon glaubte, den schönsten Teil bereits hinter mir zu haben, was sich nachher auch bewahrheitete.
Bei km 85 habe ich Motorradfahrer aus Hollywood kennengelernt, die waren dort mit ihrem Geländemotorrad 60 km offroad gefahren und waren total fertig.
San Vicente ist eine kleine, staubige, aber recht hübsche Stadt. Aber Restaurants waren keine geöffnet und ich hatte richtigen Hunger.
Dafür aber fand ich ein ziemlich schäbiges Internetcafe, hätte ich es doch bloß nie gesehen. Danach fehlten mir ca. 300 Fotos, angefangen von Guerrero Negro bis heute, die alle später auch in Deutschland nicht wieder hergestellt werden konnten, auch nicht mit einer besonderen Software oder einem Kartenleser. Nur 2 Bilder von mir in Guerrero Negro und eins von meinem Hotel dort habe ich retten können, alle anderen sind weg. Die Wale, die Soldaten, die Natur, die tollen Blicke und Berge… ich hätte heulen können. Technik ist zwar toll, aber manchmal eben auch teuflisch. Aber immerhin habe ich ja die Fotos von der ersten Wal-Tour, auch wenn die lange nicht so spektakulär sind.
Ich bezahlte 200 Pesos für das Zimmer. Den Namen des Motels habe ich nicht herausfinden können.
San Vicente – Ensenada / 86 km
01.04.2007
Klima: ca. 25’C
Start: 07:30 Ankunft. 15:00
Hier wird es später hell, dafür aber zum Glück langsam wieder wärmer, besonders morgens. Die Zeiten mit langen Handschuhen, dicker Jacke, langer Hose und Überschuhen sind vorbei. Uff. Die ersten 8 km ging es stramm hoch, oben angekommen war wieder ein Militärposten. Wie gehabt, auch hier waren die Soldaten super nett und lustig. Ich bekam etwas zu trinken und durfte die Toilette benutzen, derweil die Männer auf mein Rad aufpassten und es ausgiebig bewunderten.
Die Landschaft nicht so super interessant, manchmal gab es ein paar nette Spots, aber nichts wirklich Umwerfendes. Bei km 30 habe ich einen lebenden Koyoten gesehen, der mich aus der Ferne beim Essen beobachtete, dann aber davonlief.
Bis Santo Tomás war die Straße relativ ruhig, danach wurde es regelrecht verrückt. Ab Rudolfo Sánchez Taboada reihten sich die Orte dicht aneinander, sodaß der Eindruck enstand, dass das alles schon zu Ensenada gehört. Die Straße war hier 2-spurig, ohne einen klitzekleinen Seitenstreifen. Ich zog es vor von Santo Tomás an neben der Straße im Staub zu fahren, später dann bei Rudolfo Sánchez Taboada auf dem Busstreifen.
Die Zona Túrista in Ensenada ist sehr schön, sie liegt in der Nähe des Hafens, in dessen Wasser sich Seelöwen tummeln, die Promenade ist besonders bei Sonnenuntergang sehr schön, es gibt kleine Cafés, Geschäfte und gute Straßen-Restaurants – die besten Fisch-Tacos der Welt. Himmel, wie vermisse ich die Dinger. Mit einem Wort, ich finde Ensenada trotz seiner beachtlichen Größe gemütlich und romantisch, obwohl es auch hier sehr sehr touristisch ist.
Hotel: America Motel für 270 Pesos, einfach, aber sauber, empfehlenswert.
Ensenada – Tecate / 135 km
02.04.2007
Klima: ca. 30’C
Start: 07:30 Ankunft. 15:30
Die Luft ist raus, ich habe keine Lust mehr. Ich weiß, dass ich das Schönste hinter mir habe und jetzt macht es keinen Spaß mehr. Bis Guadalupe war extrem viel Straßenverkehr, und es ging rauf und runter, ich hatte den Eindruck, dass es vorerst nur bergauf ging. Nach Guadalupe wurde es wieder viel ruhiger und ich konnte die Weingegend bewundern, ich befand mich auf der Ruta del Vino, obwohl die Landschaft eher wüstenähnlich war.
Die Anfahrt nach Tecate ist beeindruckend, ich kam um die Kurve hoch oben auf der Bergkuppe und da lag es vor mir. Das ganze Tal bedeckt mit Häusern, aus der Ferne sah es idyllischer aus, als es in Wirklichkeit später unten dann auf mich wirkte. Ich mochte Tecate nicht. Vielleicht war es die Mauer nach Estado Unidos, vielleicht die allgemeine merkwürdig angespannte Stimmung, vielleicht auch das mangelnde Taco-Angebot… Ich bin dann in ein chinesisches Restaurant gegangen, und das in Mexico. Ätzend.
Der Träger der hinteren Packtaschen war lose, offensichtlich war das Gewinde kaputt und ich konnte es nicht mehr festziehen. Ich wollte kein Risiko eingehen, nicht am letzten Tag und nicht bei dem Streckenprofil. Ich wusste, dass die Straße nach Mexicali sehr gefährlich ist, 2-spurig in jede Richtung, jede Richtung voneinander getrennt. Extreme Steigungen, schlechte Sicht, extremes Gefälle und so gut wie keine Sicherheit für Radfahrer. Wie sehr das stimmen würde, sollte ich allerdings erst den nächsten Tag sehen. Ich entschied mich, den bequemen Bus nach Mexiali zu nehmen. Meine BC Süd-Nord-Tour war hiermit zu Ende und ich wurde furchtbar melancholisch.
Hotel: Motel El Paraiso für 270 Pesos.
15 Tage auf dem Rad, 1728 km insgesamt, im Schnitt 108 km am Tag. Mein längster Tag war 181 km, mein kürzester 68 km. Längste Strecke Nichts, 80 km.
Tecate - Mexicali
03.04.2007
Klima: 35’C
Der Bus fuhr um 10 Uhr ab, kostete 120 Pesos und brauchte 2 Stunden für die Strecke, die ich vielleicht niemals lebend hinter mich gebracht hätte. Es sah wirklich furchtbar gefährlich aus, obwohl ich zugeben muß, dass ich den ein oder anderen Blick gerne fotografiert hätte.
Ich war froh, daß ich im Bus saß und daß sich Dinge manchmal von ganz alleine regeln. Ganz ehrlich.
Fazit
Häufig bin ich lange vor Sonnenaufgang los mit Licht und manchmal auch erst bei Dämmerung angekommen.
Die Wüste war der schönste und zugleich einsamste Teil. Die Straßenkontrollen? Echt kein
Problem, im Gegenteil, es wurden Fotos gemacht, es wurde mit mir geredet, mir etwas zu Essen und zu Trinken angeboten... irgendwie war ich wohl doch etwas besonderes. Ich fand die Soldaten klasse, ganz ehrlich, sie haben mich immer mit außerordentlich viel Respekt behandelt.
Ob ich ausgeraubt oder vergewaltigt wurde? Ob ich gegängelt oder belästigt wurde?
Fehlanzeige!!!
Im Gegenteil, ich habe Geschenke von Menschen gekriegt, von denen ich das niemals erwartet hätte, weil sie nämlich kaum etwas hatten, ich habe Essen und Trinken bekommen in Gebieten, wo es kaum etwas gab. Ich habe Unterstützung gekriegt, wo es einsamer nicht sein konnte. Und ich bin um so vieles reicher geworden im Herzen, in meinem Herzen, von dem ein großer Teil immer noch ca. 10.000 km weiter westlich ist und wohl auch bleibt.
Nachdem ich das 1. große Unglück am Flughafen überstanden hatte, ist dann im weiteren Verlauf nichts weiter passiert, außer einem Speichenbruch und ein paar kleineren Problemen bei meiner Bremse. Und die Lowrider... ja, die haben auch ein bißchen gezickt, aber auch das habe ich wieder flott gekriegt. Naja, und die 2 Stürze halt….
Nennt es Glück, vielleicht auch Vorsicht oder einfach selbstloses Gottvertrauen in Mexico, aber bisher funktionierte es auf jeder Reise, dieser insbesondere. Alle staunen, dass so etwas geht, was ich gemacht habe, dabei finde ich das eigentlich völlig normal.
Wenn man ein bisschen Spanisch kann (und auch noch sagt, dass man Deutsche ist), dann liegen sie einem bald zu Füssen... ) im übertragenen Sinn natürlich. Sie finden Deutsche echt klasse. Fragt mich nicht warum, aber es ist so. Das sind vermutlich die Gegensätze, genauso wie ich sie eben auch mag.
Mensch, Essen und Trinken habe ich ganz vergessen. Ich habe überall da gegessen, wo viele Mexikaner gegessen haben, wenn ich in einer größeren Stadt war. War ich in einem kleinen Dorf, galt die Regel "Friß oder stirb", denn das Angebot war da meist nicht sehr groß und ich durfte nicht wählerisch und schon erst recht nicht pingelig sein. Ich habe mich zu 90% von Tacos, Tortas und Burritos ernährt.
Ist man in Mexico zimperlich, gibt's Ärger. Der Ärger - in Form von schnellen bishin zu sehr schnellen Toilettengängen - ist mir zum Glück bisher auf jeder Reise in Mexico erspart geblieben. Warum? Keine Ahnung. Ich habe immer Abführtabletten im Gepäck.
Wasser habe ich von den Leuten immer angenommen, wenn mir etwas angeboten wurde. Ich gehe einfach davon aus, daß auch Mexikaner nicht sterben wollen.
Wer aber empfindlich ist, der sollte zumindest einen Katadynfilter fürs Wasser dabei haben, Mikropurtabletten sind zwar sehr praktisch, aber meist nutzlos. (Kenne ich aus Nepal)
Die letzten Tage verbrachte ich in Mexicali bei einem Freund und seiner Mutter. Die beiden brachten mich dann mit dem Auto nach San Diego und von dort ging mein Flieger nach San Antonio, wo ich meine mexikanische Freundin Ceci besuchte. Am 9.4. bin ich dann wieder nach Deutschland geflogen.
(zur Grenze Caléxico könnte ich eine Geschichte für sich schreiben, aber das lass’ ich mal lieber an dieser Stelle. Nur so viel: Ich krieg langsam einen richtigen Hass auf Amerikaner, obwohl ich doch recht viele amerikanische Freunde habe.)
Frauen alleine in Mexico!!
Da ich den Link hier in diesem Forum dazu gefunden habe, fühle ich mich berufen, meinen Senf auch hier noch zuzugeben, denn ich denke, daß ich das auch schon darf.
Ja, ich bin Europäerin.
Ja, ich bin blond.
Ja, ich spreche Spanisch und ich vermute, das auch mittlerweile schon recht passabel.
Ja, ich hatte sogar sehr kurze und zudem sehr enge Hosen an.
Nein, ich bin nicht angemacht worden.
Nein, genau genommen nicht mal respektlos behandelt worden.
Nein, ich bin nicht, dumm, taub oder sonst was.
Nein, ich will nicht sagen, daß mir das niemals passieren wird, aber ja, die Frauen, denen das passiert, sollten vielleicht mal darüber nachdenken, warum es ihnen passiert.
Ich vergleiche es gerne mit der Angst vor einem Hund... Und bitte jetzt nicht den falschen Rückschluß ziehen, daß ich Mexikaner mit Hunden vergleichen will. Nönö.
Wenn jemand Angst vor einem Hund hat, dann riecht der Hund das, er spürt es förmlich und er wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf diesen Menschen losgehen.
Strahlt der Mensch, also die Frau in diesem Beispiel, stattdessen Stärke aus, Selbstbewußtsein, geht sie gerade, aufrecht, Blick nach vorne... dann wird ihr so schnell nichts passieren.
Was ich damit sagen will, was ich säe, das ernte ich auch... so wie ich auftrete, so behandelt man mich!
Ich will nicht nie sagen, das bringt Unglück, aber seltsam... alle reden z.B. von den Pograbschern in der Metro in DF.... Ich bin wochenlang mit der Metro unterwegs gewesen, aber ich habe sie noch nicht einmal erlebt und ich bilde mir ein, einen ganz passablen, anfassbaren Po zu haben, also daran kann es nicht gelegen haben. Warum ist es noch nicht passiert?
Es kann nicht nur Glück gewesen sein, denn dann müßte ich ganze Heerscharen von Glücksengeln ständig um mich herum haben.
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Persönliche Reiseberichte