Samuel Ruíz Garcia
From Mexiko-Lexikon
Früherer Bischof von San Cristóbal de las Casas, *03.11.1924 Irapuato, Guanajuato- † 24. Januar 2011 in Mexiko-Stadt)
Don Samuel Ruíz Garcia (auch “Tatic” (Väterchen), wie er liebevoll von der indigenen Bevölkerung im Bundesstaat Chiapas genannt wurde), war von 1959 bis 2000 Bischof von San Cristóbal de las Casas (Chiapas). Sein unermüdlicher Einsatz für die Rechte und die Würde der indigenen Bevölkerung machte ihn auch außerhalb von Mexiko bekannt und beliebt. Er gilt als mutiger Sprecher und unerschrockener Anwalt der unterdrückten und ausgebeuteten indigenen Bevölkerung des Bundesstaates. Bis zu seinem Tod war der frühere Bischof Samuel Ruíz ein scharfer Kritiker des Neoliberalismus und der Lage der Menschenrechte in Mexiko. Fünf Jahre nach seiner Emeritierung war Don Samuel Ruíz immer noch eine wichtige Figur auf der politischen Bühne, nicht nur in Mexiko. Sein Engagement für die Menschenrechte und für die Rechte der indigenen Völker sowie sein Einsatz für Gerechtigkeit und Solidarität unter den Völkern, brachte ihm aber auch sehr viele Feinde. Großgrundbesitzer und Politiker in Mexiko, die ihn den „roten Bischof“ nannten, sowie einige seiner konservativen Kollegen, bekämpften und denunzierten ihn.
Der Vatikan warf ihm wegen seiner Version der Befreiungstheologie doktrinäre und pastorale Fehler vor. Samuel Ruíz praktizierte eine Theologie der Befreiung die auch "Teología india" (Indigene Theologie) genannt wird. Ziel seiner kirchlichen Tätigkeit war, die Rituale indigener Religiosität in den katholischen Glauben zu integrieren und der marginalisierten indigenen Bevölkerung zu einer Stimme zu verhelfen. Verärgert stellt ihm der Vatikan den Weihbischof Raul Vera als Koadjutor zur Seite, der sich jedoch bald mit Ruíz solidarisierte.
Die Palette der Angriffe auf Samuel Ruíz reichte von infamen Anschuldigungen bis hin zu physischen Attacken. So entging Samuel Ruíz am 5.November 1997 in Tila in Chiapas nur knapp einem Mordanschlag. Drei Wochen vor dem Massaker von Acteal, als sich Samuel Ruíz mit Weihbischof Raul Vera auf einer Reise durch die von Paramilitärs kontrollierte „Zona Norte“ befand, wurde der Konvoi von der paramilitärischen Paz y Justicia mit großkalibrigen Waffen angegriffen. Die Bischöfe entkamen dem Attentat nur knapp mit leichten Verletzungen. Drei weitere Begleiter erlitten jedoch Schusswunden ([1]). Kurz darauf wurde die Schwester von Samuel Ruíz in den Räumen der Diözese niedergeschlagen. Gläubige, die seine Gottedienste besuchten, wurden mehrmals aus dem Hinterhalt mit Waffen beschossen. Alle Versuche, Samuel Ruíz vorzeitig aus seinem Amt zu entfernen, brachte seinen Feinden jedoch nicht den erhofften Erfolg.
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Samuel Ruíz und die EZLN
Samuel Ruíz war nicht nur ein erfahrener Kirchenhierach sondern auch ein brillanter Diplomat. Dies stellte er zum Beispiel unter Beweis, in der Entwicklung einer Indio-Pastoral und als am 1. Januar 1994 der Aufstand der EZLN im Bundesstaat Chiapas ausbrach. Samuel Ruíz, der nach diesem Aufstand die sogenannte "Nationale Vermittlungskommission „CONAI“(Comisión Nacional de Intermediación) ins Leben rief, wurde als Vermittler zwischen der EZLN, der indigenen Bevölkerung der Region und der neu gegründeten Regierungskommission „Comisión de Concordia y Pacificación“ (COCOPA) anerkannt. Nach langwierigen Gesprächen, die ihren Anfang am 21. Februar 1994 in der Kathedrale von San Cristóbal de las Casas fanden, wurde unter seiner Ägide am 16. Februar 1996 das Abkommen von San Andrés unterzeichnet. Nach fortgeführten, gewalttätigen Angriffen gegen Samuel Ruíz, der Diözese und der CONAI sowie, der Meinung von Samuel Ruíz nach, falschen Spiels der mexikanischen Regierung, löste sich die Vermittlungskommission CONAI im Juni 1998 unter Protest auf. Samuel Ruíz war fest davon überzeugt, das die damalige mexikanische Regierung in Wirklichkeit gar keine Lösung des Konfliktes in Chiapas und eine Anerkennung der Rechte und Würde der indigenen Bevölkerung wollte.
Lebenslauf
- Samuel Ruíz studierte von 1947 bis 1952 an der päpstlichen Universität „Gregoriana“ in Rom.
- 1949 erhielt er seine Priesterweihe.
- Mit 35 Jahren wurde er 1959 Bischof von Chiapas und der jüngste Bischof von Mexiko.
- 1974 initiierte er aus Anlass des 500.Geburtstages von Bartolomé de las Casas in San Cristóbal de las Casas einen ersten landesweiten Indígena-Kongress: Unter dem Motto „Der Boden gehört denjenigen, die ihn bearbeiten“, konnten die Vertreter der indigenen Bevölkerung ihre spezifischen Probleme als Völker und eigenständige Kultur zum Ausdruck bringen. In der Folgezeit entstanden daraufhin mehrere große Indígena- und Campesino(Bauern)–Organisationen. Die Gegner von Samuel Ruíz machen diesen ersten Indígena-Kongress für den zwanzig Jahre später erfolgten Aufstand der EZLN mit verantwortlich.
- 1989 gründete Bischof Samuel Ruíz zur Verteidigung der Rechte der Indigenas und der von staatlicher Repression betroffenen Bevölkerung, das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas.
- 1994 Gründete er die Nationale Vermittlungskommission „CONAI“ und war maßgeblich an den Verhandlungen zwischen der Regierung und der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung ( EZLN) beteiligt.
- 1996 wurde Samuel Ruíz Direktor von SERAPAZ (Servicios y Asesoría para la Paz / Dienst und Beratung für den Frieden) mit dem Sitz des Büros in Mexiko-Stadt .
- Juni 1998 Auflösung der Conai.
- 3.11.1999, an seinem 75. Geburtstag, unterschrieb Samuel Ruíz während der Messe in der Kathedrale von San Cristóbal de las Casas, in Anwesenheit zahlreicher Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland, seinen offiziellen Rücktritt als Bischof wegen Erreichen der Altergrenze.
- Am 31. März 2000 nahm der Vatikan sein Rücktrittsgesuch an. Damit ging in San Cristóbal de las Casas eine Ära zu Ende.
- Seit seiner Emeritierung wurden ihm mehrere hohe Auszeichnungen verliehen. Am 23. Oktober 2000 erhielt er in Paris den Internationalen Preis Simon Bolivar der UNESCO, am 29. Oktober in Rimini die Medaille der Republik Italien, und im Jahre 2001 war er Träger des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises. Ebenfalls wurde er als Ehrendoktor verschiedener Universitäten und als Ehrenbürger einiger Städte geehrt. Immer wieder wurde er als Kandidat für den Friedensnobelpreis gehandelt.
Anlässlich eines Interviews zu einer der zahlreichen Auszeichnungen sagte Samuel Ruíz einmal: „Wenn ich noch mal von vorne beginnen müsste, ich würde mich wieder für die Diözese San Cristóbal entscheiden"
Am 24.Januar 2011 starb in Mexiko-Stadt der katholische Altbischof Samuel Ruíz Garcia. Der von der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ als „unermüdlicher Kämpfer für Gerechtigkeit, Frieden und Menschenrechte“ gewürdigte Ruiz, genoss international hohes Ansehen. [2]
Ehrungen
- 1997 Martin Ennals Award for Human Rights Defender, USA
- 1999 Romero-Preis von SEI SO FREI, der entwicklungspolitischen Aktion der Katholischen Männerbewegung Österreich
- 2000 Premio Internacional Simón Bolívar der UNESCO
- 2001 Internationaler Nürnberger Menschenrechtspreis, Deutschland
- 2002 Niwano Peace Foundation Award, Japan

