Tarahumara

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Tarahumara
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Tarahumara in Creel
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Tarahumara in Creel

Inhaltsverzeichnis

Die Rarámuri, das Volk der Läufer

Tarahumara ist die spanische Wortumformung von Rarámuri, was soviel wie „Fußläufer“ oder „die mit den leichten Füßen“ bedeutet. Die Berge der Sierra zwangen sie seit jeher zu ausgedehnten Fußmärschen. Im Laufe der Zeit entwickelten sie auf diese Weise immer mehr Ausdauer. Ohne Probleme bewältigen sie Strecken über 100 km, barfuß oder höchstens mit Sandalen (huaraches).

Siedlungsgebiet

Die Tarahumara leben verstreut im südwestlichen Teil der Bergregion von Chihuahua Im Laufe der Jahre haben sie sich immer weiter zurückgezogen in das unwegsame Berggebiet der Alta und Baja Tarahumara Region. Die Alta ist eine Sierra mit viel Wald und kaltem Klima, die Baja liegt in den Tälern, mit tropisch heißem Klima. Die Sierra Madre Occidental (auch Sierra Tarahumara genannt) wurde der nahezu unzugängliche Rückzugsort der Tarahumara.

Geschichte

Die Tarahumara, Apachen, Comanchen und ca. 90 andere Stämme lebten einst in der Region des heutigen Staates Chihuahua in den Llanos. Doch als die spanischen Eroberer in Batopilas Silberminen entdeckten, wurden die Tarahumara zur Arbeit in den Minen gezwungen und flüchteten daraufhin in die versteckten Täler der Barrancas. Daraufhin ereigneten sich die schlimmsten Kämpfe und blutigsten Aufstände der mexikanischen Geschichte auf ihrem Land. Ab 1607 versuchten die Jesuiten und Franziskaner, die Tarahumara zu bekehren. Einer der ersten Jesuiten dort versuchte sie mit Gewalt zu missionieren, worauf sie sich zur bewaffneten Wehr setzten. Man sagt von ihnen, dass sie wahrscheinlich die einzige Gruppe von Indígenas sind, die nie unterworfen wurde und sich nie mit anderen Kulturen vermischt hat. Auch die Apachen überfielen ihre Siedlungen und bekämpften sie. 1825 wurde ein Gesetz verabschiedet, welches Land zur landwirtschaftlichen Nutzung freigab. Landlose Mexikaner kamen in Scharen und vertrieben die Tarahumara abermals von ihrem fruchtbaren Land.

Äußeres Erscheinungsbild

"Sie sind von kleinem Wuchs und stämmig gebaut", das wäre allerdings eine zu allgemeine Aussage, die Variation der physischen Typen ist beachtlich, und je nach Region und Mobilitätsmuster spezifisch. Es gibt also vielfältige Typen,meistens relativ klein, sehnig, beleibt im Alter. Männer tragen ihr Haar mit unter lang, mit einem breiten Stirnband; dies gilt jedoch vor allem für die Alten. Die jüngeren Rarámuri dagegen haben heute (2006) meist kurzes, der Mestizenmode angepasstes Haar. Die Alten tragen zum Teil noch die klassischen weißen Hemden aus grobem Stoff und einen Lendenschurz, „taparrabo“, "tagora", genannt. Sie laufen fast immer barfuß, vor allem aber die Frauen (auch heute), auch bei Schnee und Eis tragen sie ihre guarachis. Frauen tragen meist mehrere rote oder rotgemusterte oder andersfarbige Röcke, ein farbiges Kopftuch, ein Stirnband, rot oder weiß.

So leben sie heute

Sie leben halbnomadisch, d.h. in den Sommermonaten leben sie in den höher gelegenen Bergregionen, im Winter in den wärmeren Bergschluchten. Man schätzt, dass es noch zwischen 40- und 60.000 Rarámuri gibt. Wie von jeher leben viele von ihnen immer noch in Höhlenwohnungen und ernähren sich von der Jagd und vom Maisanbau. Viele halten zäh an alten Gewohnheiten und althergebrachten Anbaumethoden fest (Wanderfeldbau: manche Äcker liegen jahrelang zur Bodenregeneration brach). Teilweise werden illegal Schlafmohn und Marihuana angebaut (Abnehmer: USA). Andere wandern ab in die Städte Nordmexikos und enden dort meist in den Armenvierteln. Die Tarahumara Frauen verdienen sich ein bisschen Geld im Tourismus. Sie haben sich an den Zughaltestellen (besonders in Divisadero und Creel) Verkaufsstände eingerichet und bieten dort Kunsthandwerk an, z. Bsp. Körbe, Webwaren und allerlei aus Ton. Seit so viele von ihnen ihr Land verloren haben und viel von der traditionellen Lebensweise aufgeben mussten, leiden vor allem die Kinder an Krankheit und Unterernährung.

In Creel gibt es seit über 40 Jahren die Mission von Pater Luis Verplancken. Der Jesuit kümmert sich um die Tarahumara, hat ein (Kinder-)Krankenhaus und Schulen gebaut und eine Kooperative für Kunsthandwerk gegründet - der kleine Laden am Bahnhof verkauft nur authentische Tarahumara-Produkte, auch bekommt man dort sehr schöne Fotos.

Religion

Wie bei den meisten Indígenas anderer Stämme vermischten sich die althergebrachten Riten mit denen des Katholizismus. Die früheren Naturgötter und Christus, die christlichen Heiligen und Gott sind miteinander verbunden worden. Die Rarámuri benutzen, wenn Sie Gott meinen, den Namen ihres alten Sonnengottes Onorúame und benutzen auch den Namen ihrer Mondgöttin Eyéruame, wenn sie die heilige Jungfrau Maria (la Guadalupana) meinen. Sie veranstalten für ihre Toten mehrere Zeremonien (für Männer drei, für Frauen vier sogenannte Totenspeisungen), um ihnen den Weg in die Oberwelt (alle Rarámuri sollen den Himmel erreichen) zu erleichtern. Ausbleibender Regen bedeutet in ihrem Glauben, dass der Teufel Gott an Händen und Füßen gefesselt hat und ihn krank gemacht hat, in der Regel aber, dass man Gott nicht genug zu essen gab oder nicht genug für ihn tanzte. Zahlreiche religiöse Zeremonien begleiten den Jahreszyklus, der also aus einer Abfolge von Tänzen und Festen besteht.

Sitten und Gebräuche

Der Siriáme (Häupling) ist auch heute noch die oberste Instanz in der Gemeinschaft. In strenger hierarchischer Reihenfolge schließen sich unter ihm die anderen Ämter an.

Rarápipama

Auch rarajipari oder carrera der bola genannt ist der traditionelle Stammeswettbewerb und findet statt an Ostern und dem Erntedankfest (yúmari). Es gibt Rennen zwischen zwei Teams von je 20 Läufern, die während des Laufens einen kleinen hölzernen Ball vor sich her kicken. Ohne Pause laufen sie in einem Zeitraum von bis zu 70 Stunden um die Wette (bis zu 300 km).Die gesamte Gemeinde unterstützt die Läufer. Nachts werden Fackeln angezündet um die Wege sehen zu können. Um die Müdigkeit zu bekämpfen rauchen sie eine Mischung aus Tabak, Fledermausblut und getrockneter Schildkröte. Diese Ausdauer beweisen sie auch auf der Jagd, sie hetzen das Wild bis es vor Erschöpfung zusammenbricht. Auch bei den Frauen gibt es ein solches Laufspiel, genannt „dowérami“. Sie laufen aber „nur“ bis zu 100 km.

Tesguinadas

Das sind die rituellen Trinkgelage, die sich über mehrere Tage hinziehen können. Dabei wird das ihnen heilige, selbstgebraute „tesgüino“ getrunken, ein bitter säuerliches, alkoholisches Getränk, bestehend aus fermentiertem Mais , Wasser und Kräutern. Alkoholisiert zu sein ist ein wichtiger Bestandteil ihres Gemeinschaftsdenkens und ihres Kosmos.

Peyote Ritual

Wie bei den Huicholes ist Peyote ein wichtiger Aspekt der alten Traditionen. Die Schamanen benutzen es als Heilmittel und für viele andere Riten. Er wird auch angewandt als Abwehrmittel gegen Hexen und böse Kräfte, Schlangenbisse, Verbrennungen und Rheuma.

Pascuas

Beim Osterfest wird die die Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse nachgespielt. Es gibt einen tänzerischen Kampf zwischen den „bösen“ Pharisäern (bemalt mit weißen Punkten auf den Körpern und offensichtlich einer alten Kriegsbemalung nachempfunden) und den „guten“ Soldaten (weiß gekleidet und mit einer roten Fahne als Standarte), die von mehreren "capitanes"“ angeführt werden und eine rote Fahne als Standarte tragen. Das indianische Laienspiel wird von Trommlern und Flötenspielern mit Rahmentrommeln vor den Bäuchen und einer kleinen Bambusflöte in den Händen begleitet. Der Aufzug hat einen spielerisch militärischen Anklang, so tragen die guten Soldaten Lanzen und Gewehre, während die "Pharisäer" (fariseos) hölzerne Stöcke tanzend mit sich herumführen. Oft gibt es während der Prozession Ringkämpfe zwischen Soldados und Pharisäer. Am Ende des tagelang dauernden Laienspiels wird der Judas schließlich am Ostersonntagmorgen verbrannt, das ist eine Strohpuppe im Kleid eines Cowboys oder auch Indianers in Cowboykleidung. Diese Figur gilt als der Inbegriff des Bösen und wird auch "diabolo" oder "ko'chamuko" (der Angebrannte) genannt.

Stark unterschieden sind von den Ostertänzen die Tänze des Winterzyklus der Rarámuri, die matachines.

Kleines Vokabular

ayena, uri – ja

que tasí – nein

matétaraba – Danke. Häufig nur religiöses Danke: "Danke Gott!"

bilé, biré – eins

oculá, okwa – zwei

baquía, bekiá – drei

cuirá – Hallo

ariósiba – Auf Wiedersehen

chabochi – ein Weißer

Literaturtipp

Antonin Artaud - "Die Tarahumaras. Revolutionäre Botschaften" München 1975

Claus Deimel - "Die Rarámuri und die Mexikaner. Beobachtungen zu transkulturellen Beziehungen in der Sierra Tarahumara." In: M. Münzel (Hsg.) "Die indianische Verweigerung. Lateinamerikas Ureinwohner zwischen Ausrottung und Selbstbestimmung." Hamburg 1978

Claus Deimel - "Die rituellen Heilungen der Tarahumara. Mit einer Einführung in die Literatur. Monografía rarámuri I." Völkerkundliche Abhandlungen XIII. Dietrich Reimer Verlag, Berlin. 254 S., 1997

Claus Deimel - "nawésari. Texte aus der Sierra Tarahumara. Monografía rarámuri II." Völkerkundliche Abhandlungen XIV. Dietrich Reimer Verlag, Berlin. 210 S., 2001

Carl Lumholtz – Unknown Mexico. 2 Bände. New York, London 1902

Projekt

MUJERES INDÍGENAS TARAHUMARAS Y TEPEHUANAS, A.C.

MITYTAC ist eine Gruppe von Frauen aus ethnischen Minderheiten. Sie beschäftigen sich intensiv damit, wie Frauen mit alten, einheimischen Handwerkstechniken ein existenz-sicherndes Einkommen erzielen können. Doch gleichzeitig ist damit das Einsetzen für die Menschenrechte und die Bewahrung der eigenen Kultur verbunden.

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