Teotihuacán (Archäologische Stätte)

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UNESCO - Weltkulturerbe
Teotihuacán

Teotihuacán, übersetzt "Der Ort, wo man zum Gott wird", ist eine der bedeutendsten Stätten im Hochland Zentralmexikos. Sie liegt ca. 50 km nordöstlich der Ciudad de México im Estado de México.

Man weiß nicht, welches Volk die Stadt erbaute, denn es sind bis heute keine Aufzeichnungen, schriftliche Nachlassenschaften oder Kalenderangaben gefunden worden. Klar ist, dass Teotihuacán ein politisch und wirtschaftlich sehr einflussreicher Stadtstaat war, dessen Einfluss in weiten Gebieten Mexikos zu sehen ist.

In den Aufzeichnungen des spanischen Franziskanermönches Bernardino de Sahagún (1499-1590) steht geschrieben: „Sie nannten den Ort Teotihuacán, weil er der Begräbnisplatz der Könige war, und die Alten sagen von ihnen, wer gestorben ist, ist zum Gott geworden. Wenn man sagte, dass er nun Teotl (Gott) sei, dann heißt das soviel wie, er ist schon tot. Deshalb nannten sie den Ort Teotihuacán, der Ort, an dem die Menschen zu Göttern wurden.“

1987 wurde die Präkolumbische Stadt Teotihuacán zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte Teotihuacáns

Teotihuacán: Blick von der Mondpyramide nach Süden
Teotihuacán: Blick von der Mondpyramide nach Süden
Teotihuacán gehört zu den ältesten Kulturen und Stätten Mexikos. Die Stadt im Hochtal Zentralmexikos wurde ca. um 150 v.Chr. gegründet und wurde in den folgenden Jahrhunderten zu einem der einflussreichsten und mächtigsten Zentren Mesoamerikas. Teotihuacán betrieb Handel mit Völkern nah und weit entlegener Gebiete. Bis in die nördlichen Maya-Gebiete sind Einflüsse Teotihuacáns sichtbar. Andererseits lassen Funde von z.B. Jade und Muscheln auf den regen Austausch mit Gebieten an der Golfküste und im Süden schließen.

Zur Blütezeit (ca. 400-650 n. Chr.) lebten um die 200.000 Menschen in Teotihuacán. Ihren Untergang fand die Stadt nach einer krisenreichen Zeit um 700-750 n. Chr., als viele Gebäude niedergebrannt und zerstört wurden. Es ist unbekannt, ob die Zerstörungen durch die eigene Bevölkerung (im Zuge einer Revolte) oder durch äußere Feinde erfolgten. Noch für weitere 200-300 Jahre blieb die Stadt besiedelt, zum Teil auch durch andere Völker aus dem Norden, bevor sie nach 1000 endgültig verlassen wurde.

Welches Volk die Stadt anlegte und hier lebte, konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden, da Aufzeichnungen und Inschriften fehlen. Die ursprünglichen Namen und Bedeutungen der Stadt und ihrer Bauwerke sind denn auch nicht überliefert. Die heutigen Namen stammen von den Azteken. So heißt Teotihuacán auf Náhuatl: "Der Ort, wo man zum Gott wird". Die Azteken besuchten später die Ruinen Teotihuacáns, da sie den Ort als heilig ansahen. Nach ihrer Überlieferung trafen sich dort die Götter, um die Fünfte Sonne zu erschaffen.

Bauten in Teotihuacán

Teotihuacán: Innenraum mit Jaguardarstellungen
Teotihuacán: Innenraum mit Jaguardarstellungen
Die beiden wichtigsten Bauwerke sind die Sonnenpyramide (Pirámide del Sol) und die Mondpyramide (Pirámide de la Luna), die vermutlich während des 1. und 2. Jh. n. Chr. entstanden.

Nach dieser Zeit wurde die ca. 3-4 km lange Straße der Toten (Calzada de los Muertos) als Hauptachse der Stadt angelegt. Entlang dieser Straße wurden weitere wichtige Gebäude(komplexe), Tempel und Wohnviertel erbaut. Die einzelnen Wohnviertel waren vermutlich von Familienclans bewohnt, deren Angehörige jeweils das gleiche Handwerk ausübten. Viele der Gebäude waren durch Wandmalereien geschmückt, von denen heute nur noch wenige erhalten sind. In einem Innenhof stand meist ein Altar, dem Schutzpatron der Familie gewidmet. Wohnviertel: Tepantitla, Atatelco, Tetitla und La Ventilla

Die großen Bauwerke hatten zumeist religiösen Charakter und waren einzelnen Göttern gewidmet. So vermutet man, dass die Sonnenpyramide dem Regengott (von den Azteken Tláloc genannt gewidmet war, denn sie ist über einer (heiligen) Grotte erbaut. Die Pyramide ist ca. 63 m hoch. Die Abmessungen der quadratischen Grundfläche mit Seitenlängen von ca. 220 m sind ziemlich identisch mit denen der Cheops Pyramide in Ägypten. Am 21. Juni zur Sommer-Sonnenwende, steht die Sonne mittags genau senkrecht über der Sonnenpyramide; ein Beispiel für die astronomische Ausrichtung vieler mesoamerikanischer Gebäude.

Teotihuacán: Quetzalcóatl-Pyramide
Teotihuacán: Quetzalcóatl-Pyramide
Die Mondpyramide (Pirámide de la Luna) war vermutlich der Göttin der irdischen Gewässer gewidmet. Sie ist dem hinter ihr liegenden Berg, dem Cerro Gordo nachempfunden, auf dem die meisten Brunnen der Stadt zu finden waren. Der Mondplatz (Plaza de la Luna) vor der Pyramide stammt aus einer späteren Epoche und beherbergte weitere, kleinere Tempel. Dies war ein zeremonielles Zentrum der Stadt. Auf dem Platz wurde eine Statue der Göttin entdeckt, die heute im Anthropologischen Museum von México zu sehen ist, unter dem aztekischen Namen Chalchiutlicue ("die mit dem Juwelenrock").

Bei Grabungsarbeiten unterhalb der Mondpyramide wurden zahlreiche Sitzgräber gefunden, in denen Gefangene bestattet waren, die vermutlich zu Ehren der Götter geopfert wurden. Die Toten fand man in sitzender Position, die Hände hinter dem Rücken gebunden, manche von ihnen trugen (Jade-)Schmuck. In den Gräbern waren zahlreiche Opfergaben in Form von Obsidian, grünem Porphyr und Muscheln.

Teotihuacán: Bildnis der Gefiederten Schlange Quetzalcóatl
Teotihuacán: Bildnis der Gefiederten Schlange Quetzalcóatl
Die meisten Gebäude in Teotihuacán sind in einem einheitlichen Stil gebaut. Taluds (geneigte Wände) wechseln sich ab mit Tableros (viereckige Platten mit Vorsprüngen). Zwischen den größeren Steinen befinden sich im Mörtel kleine Steine, was das charakteristische Bild teotihuacánischer Architektur prägt.

Die Sonnen- und die Mondpyramide sind nicht in diesem Stil gehalten. Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass sie aus einer sehr frühen Epoche stammen, in der o.g. Baustil noch nicht entwickelt war.

Bauten in Teotihuacán

- Sonnenpyramide - Sonnenpalast - Mondpyramide - Mondplatz - Gebäude der Altäre - Quetzalpapálotl-Palast - Tempel der Federmuscheln - Straße der Toten - Patio der Vier Tempel - Priesterpalast - Viking-Komplex - Zitadelle - Quetzalcóatl-Pyramide - Großer Komplex

Götterkult

In Teotihuacán wurde mehreren Göttern gehuldigt, deren Stellung sich im Zeitablauf veränderte.

Neben dem Regengott und der Göttin der irdischen Gewässer war in der ersten Epoche der Gott Quetzalcoatl ("die gefiederte Schlange") ein bedeutender Schutzpatron Teotihuacáns. Ihm, und vermutlich dem Regengott (Tláloc) ist die Quetzalcóatl-Pyramide (Templo de Quetzalcóatl), in der Zitadelle (La Ciudadela) - einem abgesenkten Platz, der wohl das administrative Zentrum bildete - im Südosten der Stadt gewidmet. Gefiederte Schlangenköpfe und Tláloc- oder Cipactli-Gesichter ragen aus den Wänden der Pyramide, ihre Körper sind von Wassersymbolen umgeben. An der Pyramidenwand sind ebenfalls Muscheln angebracht, die oftmals als Symbol der Venus zu interpretieren sind.
In der Umgebung dieses Tempels entdeckte man viele Gräber. Insgesamt wurden hier 260 geopferte Personen gefunden. Ihre Anzahl entspricht den Tagen des rituellen Kalenders. Dies und die Symbolik um Quetzalcóatl und Cipactli legen die Vermutung nahe, dass der Tempel mit dem rituellen Kalender verbunden war.

In späterer Zeit trat der Quetzalcóatl-Kult in den Hintergrund, Jaguare beherrschten das Bild, sie scheinen die Schutzpatrone der späteren Regenten gewesen zu sein.
Im Quetzalpapálotl-Palast ("Federschmetterling"), das aus 400-650 n. Chr. stammt, wird der Hof der Jaguare durch Wandmalereien dieser Tiere beherrscht. Einige von ihnen tragen Federkopfschmuck und spielen Musikinstrumente.
Auf der Straße der Toten findet man das Abbild eines Pumas.
In der späten Phase mehren sich weiterhin militärische Darstellungen, die darauf schließen lassen, dass die Elite um die Macht kämpfen musste. Vermutlich zerbrachen in dieser Zeit Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Städten und soziale Spannungen entstanden innerhalb der Bevölkerung.

Zona de Monumentos Arqueológicos

Calzada de los Muertos und Mondpyramide
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Calzada de los Muertos und Mondpyramide
Die lange Zeit von der Vegetation bedeckten Bauten wurden im Porfiriato als Teil der mexikanischen Identität wieder hergerichtet: Zwischen 1900 und 1912 befreiten Archäologen und Bauarbeiter die Fundamente. Das heutige äußere Erscheinungsbild der sichtbaren Bauten geht auf diese Restaurierungsphase zurück. Kritisiert wird im Nachhinein, dass die damalige Arbeit von einer teils willkürlich ausgewählten Fassadenvorstellung ausging, die nicht unbedingt dem damaligen tatsächlichen Äußeren entsprochen haben muss (siehe insbesondere die Sonnenpyramide). Zudem wurde bei der Beseitigung des Geflechts Dynamit eingesetzt und die ursprüngliche Bausubstanz beschädigt oder vernichtet.

Weitere Ausgrabungen und Instandsetzungen setzten sich das gesamte 20.Jahrhundert fort. Im November 1988 schuf die Regierung per Gesetz die "Zona de Monumentos Arqueológicos de Teotihuacán", um den Erhalt der Ruinen sichern zu können. Das Gebiet umfasst Territorien der Gemeinden Teotihuacan und San Martín de las Pirámides. Ihre Fläche beträgt 3.381 ha. Im Jahr 2004 sorgte ein geplanter Supermarktbau in Teotihuacan (Ort) für heftige Proteste, befürchtet wurde die Zerstörung noch unentdeckter Fundamtente der Ruinen. Die INAH bewilligte den Bau, stieß bei den Ausgrabungen aber auf ein bis dahin unbekanntes Kleinfundament (80 x 80 cm). Der Bau wurde fortgesetzt, nachdem dieses Ruinenstück mit einer Gartenanlage gesichert wurde.

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