Tlalnepantla (Morelos)
From Mexiko-Lexikon
Ortschaft im Bundesstaat Morelos, östlich von der Hauptstadt Cuernavaca
Ort Tlalnepantla (Morelos)
Tlalnepantla hat ca. 4.000 Einwohner und ist eine von der Nopales-Landwirtschaft geprägtes Agrardorf. Es liegt auf etwa 2.600 m Höhe.
Der Ort ("in der Mitte") ist eine Neugründung des 16. Jahrhunderts durch spanische Augustiner-Mönche, die im neuen Dorf Kirche und Kloster der "Reinigung von Tlalnepantla" (Puríficación de Tlalnepantla) erbauten. Die Einwohnerstruktur setzt sich bis heute aus Indigena-Gruppen der Náhuas und Tlahuicas zusammen. Diese hatten die jetzt nur noch als Ruinen erhaltenen Orte von Teocaltitla (7 km entfernt), Cohamilpa, Teopancasholtitla und zwei weiterer Orte bewohnt.
Politische Auseinandersetzungen seit 2003
Der Ort ist seit 2003 Schauplatz politischer Auseinandersetzungen, die landesweit Beachtung finden. Bis 2003 wurden die Ortsvorsteher (Presidente Municipal) gemäß des indigenen "Usos y costumbres"-genannten Gewohnheitsrechts auf einer Dorfversammlung vorgestellt und per Akklamation gewählt. Um dem mexikanischen Wahlgesetz Genüge zu tun, mussten sich die Kandidaten formal einer Partei anschließen, was in diesem Falle die PRI bedeutete.
Zu den jüngsten Wahlen hatten die Behörden jedoch eine reguläre Wahl verfügt, die der Kandidat der PRI, Elías Osorio Torres, bereits 1994-1997 Bürgermeister, gewann mit zehn Prozent Stimmenanteil. Zum 1.11.2003 wäre Osorios Amtsantritt formal notwendig geworden, doch widersetzten sich dem seine Gegner, die das Rathaus dauerhaft besetzten und sich auf die vorherige "usos y costumbres"-Wahl beriefen, auf der Osorio keine Mehrheit erhalten hatte. Am 11.1.2004 erklärten Osorios Gegner Tlalnepantla zum "Autonomen Gebiet" (ähnlich der zapatistischen Gemeinden in Chiapas, siehe auch Indigena-Gesetz von 2001 und Art.2 der Mexikanischen Verfassung).
Die Ereignisse überstürzten sich am 13. und 14.1.2004, als Polizeieinheiten von Morelos das Dorf stürmten und die Rathausbesatzer vertrieben. Bei Schusswechseln wurden ein Dorfbewohner getötet sowie 12 Zivilisten und Polizisten verletzt. Etwa 30 Anführer der Rebellion wurden zeitweise verhaftet. Ein nicht genau bezifferbarer Anteil der Dorfbewohner flüchtete in die Umgebung und kehrte erst nach mehreren Tagen wieder zurück. Offiziell begründete die Staatsregierung den in den Medien als "brutal" bezeichneten Einsatz mit Auseinandersetzungen zwischen "rivalisierenden Dorfgruppen" (gemeint waren Osorio und seine Gegner) sowie der Vermutung, in Tlalnepantla hätten Guerillakämpfer aus Guerrero Unterschlupf gefunden. Die Zeitung "La Jornada" berichtete, Osorio habe die Polizei um Hilfe gebeten. Als Ergebnis der Polizeiaktion wurde konnte Osorio nunmehr sein Amt antreten.
Eine Untersuchungskommission des mexikanischen Senats stellte Ende Februar 2004 fest, dass der Polizeieinsatz unnötige Brutalität erwiesen habe und seitens der Staatsregierung von Morelos mehr diplomatisches Fingerspitzengefühl erwartet hätte müssen. Gouverneur Carvijal erhielt im Juni 2004 u.a. wegen seines Vorgehens in Tlalnepantla eine Rüge durch das Staatsparlament.
Anhänger von Osorio erklärten, seine Gegner seien größtenteils Fremde aus anderen Dörfern gewesen, zudem hätten sie mit Gewalt auf Demonstrationen von Osorios Anhängern reagiert.
Am 26.5.2004 enthob das Staatsparlament von Morelos Osorio jedoch mit 20:7 Stimmen von seinem Amt. Begründet wurde dieser Schritt mit Osorios politischem Verhalten: "Wiederholte Verletzung des Rechtsrahmens und dadurch Gefährdung von Menschenleben. Verantwortlich, dass die Ortsverwaltung nicht ordnungsgemäß funktioniert" (Quelle: Boletín de Prensa 151, Congreso de Morelos).
Allerdings hat das Staatsparlament sein Dekret am 18.5.2005 nach einem Einspruch des Obersten Verfassungsgerichts, wonach die Wahl des Bürgermeisters korrekt gewesen sei, wieder zurückgenommen und eine erneute Überprüfung der Vorwürfe angeordnet. Begründet wurde dies mit dem Hinweis, das Parlament habe damals zeitlich überstürzt reagiert. Osorio verzichtete indes am 3.6.05 auf das Amt, sein designierter Nachfolger Jose Gonzalez Barrera wurde neuer Bürgermeister, der jedoch ebenfalls auf heftigen Widerstand bei Dorfbewohnern stößt.
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