Tolteken
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Allgemeines
Die Tolteken waren ein Volk Nordmexikos, das ca. im 8. Jh. in das Gebiet um Tula, im Bundesstaat Hidalgo, Zentralmexiko, 85 km nördlich von Mexico-City eindrang. Zunächst errichteten sie die Stadt Tula (heute als Tula Chico bekannt). Später, im 10. Jh. n.Chr. wurde Tula Chico verlassen, und die Hauptstadt Tula (Grande) gegründet. Das Volk sprach náhuatl , die Sprache, die in Zentralmexiko am meisten verbreitet war und auch von den Azteken gesprochen wurde. Vermutlich gehörten einige der Vorfahren zu Familien aus Teotihuacán. Der Ursprung des Names "Tolteken" stammt aus dem Náhuatl und setzt sich vermutlich aus den Wörtern "tolca" - "sich betätigen, beschäftigen" und "teca" - "Meister sein, meisterhaft " zusammen. Die Azteken betrachteten die Tolteken als große Künstler. Andere Quellen führen den Namen auf die Hauptstadt der Tolteken, Tula oder Tollan zurück.
Geschichte
Vom Norden oder Nordwesten ausgehend begab sich das Volk, das später den Namen Tolteken erhielt, auf Wanderschaft. Ca. im 8. Jh. besiedelten sie das Gebiet um das heutige Tula in Zentralmexiko. Zunächst unterstanden die Tolteken dem Herrscher Mixcoatl, der von einigen Quellen als rücksichtslos und grausam beschrieben wurde. Mixcoatl wurde von seinem Bruder getötet, der wiederum aus Rache von Mixcoatls' Sohn, Ce Acatl Topilzin ("Unser Fürst 1 Rohr"), einem Priester des Quetzalcoatl ("gefiederte Schlange") getötet wurde. Ce Acatl Topilzin war der Herrscher, der die Stadt Tollan (später Tula [Grande]) vermutlich um das Jahr 950 n.Chr. gründete.
Während der nächsten 200 Jahre entwickelte sich Tula zu einem einflussreichen Zentrum, das ein Handelsnetz bis nach Nicaragua und in den Süden der heutigen USA unterhielt. Im 12. Jh. n.Chr. folgte eine Zeit der Rebellionen und der Angriffe von außen, v.a. durch die Chichimeken . Am Ende des 12. Jh. wurde die Stadt verlassen und viele der Gebäude wurden zerstört. Tula geriet jedoch zunächst nicht in Vergessenheit, denn die Azteken suchten die Stadt weiter auf, denn sie sahen sich quasi als Nachfolger dieser Macht.
Ce Acatl Topilzin bzw. Quetzalcoatl hatte einen Gegenspieler, einen Anhänger des Gottes Tezcatlipoca ("rauchender Spiegel"; Gottheit des Dunkels und der Nacht), der diesen Namen auch selbst annahm. Zwischen den Anhängern Quetzalcoatls und Tezcatlipocas entbrannte ein erbitterter Kampf um die Macht. Grund dieses Machtkampfes war die humane Einstellung Quetzalcoatls, der vom Menschenopferkult weg wollte, und der Bejahung eben dieses Kultes durch seine Gegner. Quetzalcoatl wurde besiegt und verließ mit seinen Anhängern im Jahre 999 n.Chr. (nach anderen Quellen 987) die Stadt. Über seine weitere Geschichte gibt es mehrere Versionen, die zu Mythen wurden, siehe auch unter Tula.
Die historische Figur scheint in den Norden Yucatáns gewandert zu sein, wo er und seine Anhänger mehrere Maya-Städte eroberten, u.a. Chichén Itzá, wo man an Bauten aus der späten Phase der Stadt zahlreiche toltekische Einflüsse sehen kann.
Mythen und Legenden
Die Geschichte der Tolteken ist verwoben mit Mythen und göttlichen Legenden. Mixcoatl ("wolkige Schlange") soll die Erdgöttin Chimalma geheiratet haben. Der Sohn der beiden war Topilzin, der später Quetzalcoatl genannt wurde. Dieser Topilzin ist vermutlich die historische Figur Ce Acatl Topilzin, ein Priester(könig) des Gottes Quetzalcoatl, der nach seiner Thronbesteigung auch Quetzalcoatl genannt wurde. Dieser König soll gütig und friedfertig gewesen sein und er wollte weg vom Menschenopferkult.
Die Legende besagt, dass der Gottkönig Quetzalcoatl nach dem Weggang aus Tula nach Osten ging. Auf einem Floß aus Schlangen segelte er über den Atlantik nach Osten. Nach seinem Tod stieg er in den Himmel hinauf, wo er als die Venus als Morgenstern leuchtet. Er versprach jedoch in das Tal Mexikos wiederzukommen, als Schutzgott des Guten und des Lichts, und zwar am Tage Ce Acatl. (Diese Legende wurde später den Azteken zum Verhängnis, die in Hernán Cortés den wiedergekehrten Quetzalcoatl zu erkennen glaubten, v.a. weil er aus dem Osten kam und wie der frühere Quetzalcoatl "blond" und bärtig war.)
Religion
Wie die Mythen zeigen, war Quetzalcoatl einer der mächtigsten Götter der Tolteken. Er galt als Vater und Schöpfer, der Bringer von Landwirtschaft, Wissenschaft und Kunst, ein gütiger und aufgeklärter Gott. Quetzalcoatl verkörpert die Venus in ihrer Erscheinung als Morgenstern.
Der Gegenspieler dieses Gottes war Tezcatlipoca, der Gott des Dunkels und der Nacht, der mit den Göttern des Todes und des Bösen assoziiert wurde.
Allgemein sind die Tolteken als kriegerisches Volk bekannt, das seinen Göttern viele Menschenopfer darbrachte. Unterworfenen Gebieten gegenüber galten sie als grausam, die eroberten Gebiete wurden zu Tributzahlungen verpflichtet.
Auf die Tolteken werden die sog. " Tzompantlis" zurückgeführt. Dies sind Plattformen, auf denen die abgeschlagenen Köpfe der geopferten Personen aufgespiesst wurden. In Tula fand man unter einem "tzompantli" die Überreste tausender menschlicher Schädel. Die Opferungen selbst fanden vermutlich auf den Ballspielplätzen statt.
Der Jaguar-Gott, Darstellungen von Adlern, Jaguaren und Pumas, die Menschenherzen verschlingen und Bilder von Kriegern lassen auf die kriegerische Kultur der Tolteken schließen, deren Religion immer grausamer wurde. Beherrscht wurden die Tolteken vermutlich von einer Krieger-Kaste, deren Mitglieder z.T. gleichzeitig Priester waren.
In Tula finden sich weiter Chacmools : dies sind Götterboten aus Stein, die den Göttern die Herzen der Geopferten überbringen, die auf ihre Schale gelegt werden.
Architektur
Die Bauwerke Tulas sind zum Teil durch Teotihuacán beeinflusst. Sie bauten jedoch ohne Mörtel, die Steine wurden einfach aufeinander gesetzt. Die meisten Bauwerke dienen der Verherrlichung toltekischer Krieger und ihrer Gottheiten. Die Tempel und Paläste tragen Verzierungen und Bildnisse von Kriegern und kriegerischer Symbolik. Die berühmtesten Bauten sind die vier riesigen Kolossalskulpturen, die sog. Atlanten. Sie sind Krieger, geschmückt mit Federkopfschmuck, Brustpanzern und Schmuckscheiben auf dem Rücken sowie mit Waffen in der Hand. Sie trugen einst das Dach des Morgenstern-Tempels. (Dieses Gebäude weist Ähnlichkeiten mit dem Tempel der Krieger in Chichén Itzá auf, der zum toltekisch beeinflussten Teil dieser Stadt gehört.)
Die Tolteken waren geschickte Handwerker, was die Bearbeitung der steinernen Skulpturen und ihrer Reliefs zeigt. Sie hatten gute Ingenieure und Architekten und beeinflussten mit ihrer Bauweise andere Gebiete Mesoamerikas. Einige Elemente toltekischer Baukunst und toltekischer Symbolik wie Tzompantli und Chacmools wurden später z.B. von den Azteken übernommen.

